Gefangen von einer Idee

Glückliche Preisträger und ein gut gelaunter Laudator (von links): die Fronfeste-Sanierer Thomas Roidl, Gerald Stelzer und Peter Voss bei der Urkundenüberreichung durch Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Bild: Hartl

Drei-Sterne-Komfort im Knast, und nun auch noch ein schmuckes Tüpfelchen auf dieses "i". Der Bezirk spricht von einem vorbildhaften Projekt und bedachte das Hotel Fronfeste mit dem Denkmalschutzpreis.

Ein Schuss Selbstironie schwingt immer mit. "Rast im Knast" lautet etwa ein Slogan, mit dem das Hotel Fronfeste wirbt. So hart die Jahre in der Gefangenschaft in der Idee, ein Jahrhunderte altes Gefängnis zu einem Beherbergungsbetrieb mit dem gewissen Etwas zu machen, auch war, so befreiend fiel nun die Freude über die öffentliche Anerkennung für dieses Engagement aus. Das private Investoren-Trio, das sich diesen Spleen leistete, wurde mit dem Denkmalschutzpreis des Bezirks ausgezeichnet.

Skepsis besiegt

Gerald Stelzer, Peter Voss und Thomas Roidl, die drei Inhaber einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), die dieses Projekt stemmten, erhielten am Montagabend von Bezirkstagspräsident Franz Löffler die Auszeichnungsurkunde. Der feierlichen Preisverleihung im Brauereiwirtshaus Bruckmüller war eine Besichtigung des nur wenig entfernten Hotels Fronfeste seitens der Festcorona vorausgegangen.

Somit wussten auch die geladenen Gäste, was Löffler in seiner Laudatio als die verbreitete Skepsis beschrieb, die Anliegen des Denkmalschutzes und "zeitgemäßen Ansprüche an eine gewerbliche Immobilie nur kaum oder gar nicht unter einen Hut" bringen zu können. Immerhin geht die Substanz dieses baulich in die historische Stadtmauer-Anlage integrierten Komplexes bis in das 14. Jahrhundert zurück. Beim Erwerb der heruntergekommenen Immobilie 2007 fanden die Investoren den Ausbauzustand des ausgehenden 17. Jahrhunderts vor, der bis in die 1960er Jahre hinein noch als Gefängnis genutzt worden war.

Ideeller Kraftakt

"Durchaus mutig", hob Löffler anerkennend hervor, sei deshalb der Entschluss gewesen, dieses bauhistorische Fragment mit einer auch wirtschaftlich tragfähigen Idee zu überziehen. "Mit großem finanziellen und ideellen Aufwand" habe "in absolut mustergültiger Art und Weise" in einer rund drei Jahre andauernden Bauphase "eines der ausgefallensten Hotels in ganz Deutschland" geschaffen werden können. Diese Leistung wolle der erst zum zweiten Mal vergebene Denkmalschutzpreis des Bezirks würdigen.

Zusammen mit den parallel überreichten drei Kulturpreisen fügt sich laut Löffler dieses Amberger Projekt in einen weiteren Aspekt dieser auf je 3500 Euro dotierten Auszeichnungen ein. Die jährliche Vergabe solle auch Ausdruck einer ausgewogene Balance des heutigen Selbstverständnisses der Oberpfalz sein. Es bewege sich lebendig zwischen der Wertschätzung und "Achtung für gewachsene Traditionen" als dem einen Pol, und dem "wachen und neugierigen Blick" für zeitgemäße und neue kulturelle oder künstlerische Strömungen auf der anderen Seite.

Von heiter bis ernst

Vor diesem Hintergrund solle nicht nur die angemessene Sanierung des Baudenkmals Fronfeste gewürdigt werden, sondern auch der Umgang mit spielerischen bis ernsthaften Bezügen des heutigen Hotelbetriebs zur früheren Nutzung als Gefängnis. Die elf Zimmer würden beispielsweise "Zellen" heißen und die Ausgangs-Markierungen den Weg in die "Freiheit" aufzeigen. Die ehemalige Todeszelle (Hinrichtungen bis 1935) sei hingegen als musealer Dokumentationsraum ausgestaltet worden.
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