Gehörnter Gatte rastet aus

Mitten im Hochwald bei Freihöls kam es zum Ehedrama. Der Mann aus einem Schwandorfer Vorort rammte mit seinem Pkw das Auto eines Nebenbuhlers, zog ihn aus dem Fahrzeug und wurde rabiat. Dafür gab es jetzt eine Bewährungsstrafe.

Das Liebesverhältnis seiner Ehefrau zu einem Anderen drückte und belastete den 47-Jährigen, es nagte an ihm und seiner Psyche. Er ließ sich freiwillig vom Hausarzt in eine Klinik einweisen, kehrte aber tags darauf wieder zurück, weil eines seiner Kinder von der Schule abgeholt werden musste und außer ihm keiner da war, der dies hätte erledigen können.

Dann brannten wohl Sicherungen durch. In der Neuauflage des Prozesses vor einem Amberger Schöffengericht schilderte der Familienvater, wie er auf der Bundesstraße 85 in Richtung Pittersberg fuhr. Warum? Er wusste, dass sich seine Frau in dieser Gegend öfter mit ihrem Freund traf und wollte endgültige Gewissheit haben.

Mit roher Gewalt

Die Straße von Freihöls nach Pittersberg ist nicht sehr frequentiert. Dort sah der gehörnte 47-Jährige den entgegenkommenden Wagen seines Nebenbuhlers. Er wendete, fuhr ihm nach. Was dann passierte, hatte heuer im Sommer für eine Absetzung des Verfahrens gesorgt. Denn seinerzeit konnte nicht geklärt werden: Kam es zu einem absichtlichen Rammvorgang oder wurde das Fahrzeug des aus dem Kreis Amberg-Sulzbach stammenden Nebenbuhlers ohne Vorsatz gestreift?

Seinerzeit war ein Kfz-Gutachter eingeschaltet worden, der nun vor dem Schöffengericht anhand gefundener Spuren keinen Zweifel ließ: "Das Auto wurde sehr kontrolliert nach rechts gezogen." Also Absicht? Der Experte bejahte. Was anschließend geschah, war schon in der ersten Verhandlung unstrittig geblieben. Der Täter setzte nach dem Rammvorgang zum Überholen an, bremste das in sein Visier geratene Fahrzeug aus und startete eine Art Feldzug. Er holte einen Radmutternschlüssel aus seinem Kofferraum, zerschlug die Seitenscheibe seines Kontrahenten, versetzte dem Mann eine Ohrfeige und trat auf dessen Handy. Die mit in dessen Pkw sitzende Ehefrau des gehörnten Mannes blieb unverletzt.

Danach war der Übergriff im Hochwald beendet. Die Folgen: 5000 Euro Schaden, ein sich anschließendes Scheidungsverfahen und tiefes Bedauern des Verursachers. Er wiederholte es auch jetzt noch einmal vor dem Schöffengericht, entschuldigte sich, ließ Reue erkennen: "Es tut mir alles wirklich sehr leid."

Führerschein weg

Schwandorfer Polizeibeamte hatten den 47-Jährigen im Sommer letzten Jahres nicht lange nach der Tat festgenommen und seinen Führerschein sichergestellt. Seither muss er mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Lizenz, sich an ein Pkw-Lenkrad setzen zu dürfen, kriegt er aber erst in drei Monaten wieder. So lange muss sich der Mann noch gedulden.

Das Intermezzo zwischen Freihöls und Pittersberg wurde von Staatsanwältin Daniela Spieß als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr gewertet. Allerdings als sogenannter minderschwerer Fall.

Sie beantragte ein Jahr Haft mit Bewährung und weitere acht Monate Führerscheinentzug. "Eine Sache, die wirklich aus dem Rahmen fällt", sagte Verteidiger Dirk Althaus. Er nannte seinen Mandanten "einen Gutmenschen, der in eine schlimme Lage geriet", und bat darum, die weitere Führerscheinsperre nur auf drei Monate zu begrenzen.

Bewusst gehandelt

So geschah es dann auch. Das Schöffengericht beließ es bei einem zusätzlichen Führerscheinentzug von einem Vierteljahr, es legte die Bewährungsstrafe auf acht Monate fest. "Sie haben die Kollision bewusst herbeigeführt", sagte Richter Markus Sand. Doch dabei seien nur Schrammen entstanden. "Der Hauptschaden wurde durch das gewaltsame Einschlagen der Seitenscheibe verursacht." Das Urteil wurde noch im Sitzungssaal rechtskräftig.
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