Geld kassiert und Ware nicht verschickt - Bewährungsstrafe
Ein typischer Fall von Internet-Betrug

Der Mann hoffte auf einen Freispruch. Doch dahin führte kein Weg. Stattdessen wurde ihm vor dem Amberger Landgericht sehr plausibel geschildert, wie leicht so eine Berufungsverhandlung mitunter hinter Gitter führen kann. Auch, wie der 34-Jährige erfuhr, wenn es in erster Instanz Bewährung gegeben habe.

Es ging um vergleichsweise lausige 50 Euro. So viel war ein Handy wert, das der Nabburger über eine Internetplattform versteigert hatte. Das Geld kam dann zwar, doch der Käufer aus Bremerhaven wartete vergeblich auf das kleine Telefon. "Typischer Fall von Ebay-Betrügerei", befand nun Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier und riet dem Angeklagten dringend, seine Berufung zurück zu nehmen.

Keine Bagatelle

Das mochte der 34-Jährige zunächst nicht tun. "Weshalb?", fragte der Strafkammervorsitzende Gerd Dreßler und erfuhr: "Das Handy hat meiner Mutter gehört." Er, so der Mann weiter, habe es lediglich übers Internet angeboten, versteigert und später erst erfahren, dass das Mobiltelefon zu diesem Zeitpunkt durch die Eigentümerin bereits veräußert worden war. "Aber dann hätten Sie doch den Käufer sofort informieren und das Geld zurückgeben müssen", wunderte sich Dreßler. Doch die 50 Euro kamen erst Monate später wieder nach Bremerhaven. Zu diesem Zeitpunkt war längst Betrugsanzeige erstattet worden.

Risiko doch zu groß

Eine Bagatelle? Angesichts mehrerer Vorstrafen wegen ähnlicher Delikte hatte man sich in erster Instanz gerade noch zur Milde durchgerungen und acht Wochen Haft mit Bewährung verhängt. Daraufhin ging nicht nur der Angeklagte in Berufung. Auch die Staatsanwaltschaft tat das. Die Konsequenzen verdeutlichte nun Oberstaatsanwalt Strohmeier: "Erstens muss es hier keine Bewährung geben und zweitens könnte es sein, dass wir auch gegen ihre Mutter ermitteln", ließ er anklingen.

Der 34-Jährige mochte weder in Haft noch wollte er ein Verfahren gegen seine Frau Mama. "Es ist okay, ich akzeptiere die Bewährungsstrafe", erfuhren die Richter. Damit wurden gleichzeitig 100 gemeinnützig zu leistende Arbeitsstunden rechtskräftig. Ob man diese Auflage in eine Geldbuße umwandeln kann, muss der Mann nun mit dem Erstgericht in Schwandorf ausmachen. Die Strafkammer war dafür nicht zuständig.
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