Geldstrafe für 52-Jährigen
"Beleidigen geht nicht"

Symbolbild: dpa

Offenbar war der Ärger berechtigt. Doch deswegen kann man nicht verbal ausrasten, wie es ein 52-Jähriger im Jobcenter tat.

"Beleidigungen müssen nicht hingenommen werden", hörte der damals aufgebrachte Mann nun von Amtsrichterin Jacqueline Sachse. Der Amberger sollte wohl per schriftlicher Aufforderung etwas vorlegen, das er eigentlich längst abgegeben hatte. Das wurmte den Unterstützungsempfänger.

An einem Maitag dieses Jahres stattete er daraufhin dem Jobcenter an der Jahnstraße einen Besuch ab, reihte sich nicht unter die wartenden Leute ein und betrat das nächstbeste Zimmer. Dort saß eine Bedienstete, die mit seinem Fall nichts zu tun hatte. "Faules Pack", will sie vernommen haben. Die 37-Jährige führte den in Rage geratenen Kunden zu ihrem Teamleiter. In dessen Gegenwart fielen dann Ausdrücke wie "Idiot", "A....loch" und "fauler Sack." Daraufhin wies ihn der Mann zwar aus dem Haus, doch soll es anschließend noch eine Beschwerde bei der Behördenleiterin gegeben haben. Ein paar Tage darauf wurde Anzeige erstattet.

"Ist das alles richtig?", wollte die Vorsitzende vom Beschuldigten wissen. "Teilweise ja", räumte er zwar ein, wollte aber "A...loch" und "faules Pack" nicht gesagt haben. Das aber stand im Gegensatz zu den Aussagen der seinerzeit beleidigten Jobcenter-Mitarbeiter. Da seien wohl glatte Lügen im Spiel, entgegnete der 52-Jährige und rügte abermals, dass doch Unterlagen nicht so einfach verschwinden könnten. Das gleiche Problem war kürzlich schon einmal bei einer Verhandlung angesprochen worden. Damals war eine junge Frau im Jobcenter verbal ausgerastet, als ihre eingereichte Mietbescheinigung nicht mehr auftauchte.

Um ein Haar hätte man den 52-Jährigen jetzt wegen seines "Auftritts" an der Jahnstraße eingesperrt. Denn zum Prozess hatte der Angeklagte 17 Vorstrafen mitgebracht. Da könne es keine Nachsicht geben, wurde durch die Staatsanwaltschaft ins Feld geführt. Ihr Antrag: Fünf Monate ohne Bewährung.

Ganz so hart kam es dann aber doch nicht. Die Richterin verhängte 90 Tagessätze zu je 15 Euro. Damit muss der 52-Jährige 1350 Euro zahlen. "Beleidigen geht nicht", sagte Jacqueline Sachse in ihrer Urteilsbegründung.
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