Gerettete Thora-Rolle wieder in der Synagoge

Die Amberger Synagoge ist diejenige in ganz Bayern, die nach dem Krieg als erste wieder genutzt wurde - am 15. August 1945. Laut Kreisheimatpfleger Dieter Dörner war insbesondere Rabbiner Dr. Nathan Zanger am Aufbau der israelitischen Kultusgemeinde beteiligt.

In der Synagoge in der Salzgasse befindet sich heute wieder eine Thora-Rolle, die das Dritte Reich unbeschadet überstanden hat. Wie Dörner erzählt, wurde der jüdische Religionslehrer von seinem Stammtisch-Bruder, einem SA-Mann, gewarnt. Die Thora-Rolle kam ins Klösterl, nach dem Krieg gab der Museumsdirektor sie der israelitischen Kultusgemeinde zurück. "Die Judenverfolgung war in Amberg weniger brutal als in anderen Städten", weiß Dörner. Nicht alle beteiligten sich am Boykott der jüdischen Geschäfte. Nach Angaben des Kreisheimatpflegers beschwerte sich deshalb der Regierungspräsident bei der Stadt Amberg, dass trotz des 1933 verhängten Boykotts die Umsätze und Gewinne der jüdischen Geschäfte in der Zeit von 1934 bis 1937 permanent gestiegen waren. "Die Amberger kauften dort entweder nachts ein oder ließen sich eine Auwahl an Waren nach Hause liefern", erklärt Dörner.

Als ein Mann in einer Bäckerei einkaufen wollte, hieß es immer wieder: "Du Judensau stellst dich hinten an." Das tat der Mann insgesamt drei Mal - als er schließlich an der Reihe gewesen wäre, gab es nichts mehr für ihn. Das nächste Mal kaufte für ihn der Sohn eines Nachbarn ein. (san)
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