Gericht wertet Vorgehen als Betrug: Schnorrer muss wegen weniger Euros hinter Gitter
Bettler aus Spielleidenschaft

Der Mann ist ein Schnorrer und Bettler. Nicht, weil er besonders arm wäre. Er braucht die Euros, um seiner Spielleidenschaft zu frönen. Jetzt kommt er allerdings an einen Ort, wo es keine Geldautomaten gibt.

Bei ihm, so hörten zwei ältere Frauen auf dem Schwandorfer Bahnhof von einem sie ansprechenden Mann, sei ein persönlicher Notfall eingetreten, der ihn dazu zwinge, andere um Geld zu bitten. Die Damen zeigten ein Herz für den vermeintlich Bedürftigen und griffen zu ihren Portemonnaies. Eine gab großzügig 16 Euro, die zweite spendete 3,50 Euro. Dann verschwand der Bettler.

Polizeiliche Ermittlungen führten rasch auf die Spur des Schnorrers. Er hatte seine Schritte zu Spielhallen gelenkt und die milden Gaben in Geldautomaten versenkt. Das, so stellte sich im Dezember vergangenen Jahres bei einer Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht heraus, ist die große Leidenschaft des 40-Jährigen.

Keine Bewährung

Doch so großzügig wie die gebefreudigen Frauen mochte damals der Amberger Staatsanwalt Stefan Schneider nicht mit dem Bettler umgehen. "Das war Betrug", befand er und beantragte sechs Monate. Die Richterin verhängte vier Monate, sah aber keine Chance zur Bewährung gegen den Vorbestraften. Hinter Gitter mochte der Mann aber nicht.

Also ließ er durch seinen Anwalt Heinz Ettl Berufung einlegen. Das führte nun dazu, dass Verteidiger Ettl in einem Sitzungssaal des Amberger Landgerichts mit zahlreichen Leuten zusammentraf: Drei Richter der 3. Strafkammer, Staatsanwalt Schneider, Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel und ein Bewährungshelfer.

Gekommen waren außerdem mehrere Zeugen. Umsonst allerdings. Denn der Angeklagte zog es vor, nicht zu erscheinen. Pure Mutmaßung war es, dass der 40-Jährige wohl wieder in einer Spielhalle sitze und "einarmige Banditen" mit Geldstücken füttere.

Großer Aufwand, kleine Verhandlungsdauer. "Berufung verworfen", diktierte der Kammervorsitzende Gerd Dreßler ins Protokoll. Damit sind die vier Monate rechtskräftig und abzusitzen. Nicht nur sie übrigens.

Weitere Haftstrafe

Denn eher am Rande wurde deutlich, dass der 40-Jährige erst vor wenigen Tagen vom Landgericht Regensburg ebenfalls zu vier Monaten Haft verurteilt worden war. Auch zu diesem Prozess war er nicht gekommen. Womit nun gewiss ist, dass sich der Mann in nächster Zeit an einem Ort aufhalten muss, wo er Geldautomaten vergeblich suchen wird.
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