Geschichtsträchtige Kugel fiel den Patres direkt auf den Tisch
Der Knödel am Kirchenportal

Man muss schon genau hinschauen: Direkt über dem Bogen, der den Haupteingang der Bergkirche krönt, sitzt auf einem kleinen eckigen Podest der "Amberger Knödel". Bild: Huber

Der Volksmund kann einem die Suppe versalzen. Oder mit Kanonen auf Spatzen schießen. Die Österreicher schafften es einst sogar, beides miteinander zu verknüpfen: Sie haben sich mit schwerem Geschütz in einer Terrine in Amberg ein spezielles Denkmal gesetzt.

Wer nicht weiß, dass sie da ist, sieht die berühmte Kanonenkugel über dem Haupteingang der Bergkirche gar nicht. Fast ein wenig unscheinbar krönt sie die Portalzier, so beschreibt es Stadtheimatpflegerin Beate Wolters: Das verirrte Geschoss sitzt genau in der Mitte des Segmentbogens - und entpuppt sich bei genauer Betrachtung als kleiner Steinsockel mit einer Metallkugel.

Kugeln auf die Stadt

"Warum wird eine Falkonettkugel - denn eine solche ist es - über einem Kircheneingang ausgestellt?" Wolters liefert die Antwort zu dieser Frage gleich mit: "Weil die kleine Kanonenkugel vor etwas über dreihundert Jahren ein etwas ungewöhnliches Ziel gefunden hat."

Es war die Zeit des spanischen Erbfolgekriegs. "Wir müssen uns vorstellen: Die Österreicher schießen auf die Stadt." Der bayerische Kurfürst Max Emmanuel habe sich damals mit Frankreich verbündet und der damalige Feind, die Österreicher, seien gegen Amberg vorgerückt. Eine Verteidigungslinie verlief bei Speckmannshof und Eglsee.

"Kugeln treffen das Stadtgebiet", so schildert Wolters. Natürlich blieb dies nicht ohne Folgen. "Die Beschädigungen sind sehr groß." Wolters kann das noch präzisieren: 112 Häuser gelten als total zerstört, 50 weitere werden beschädigt. "Unsere geschichtsträchtige Kanonenkugel aber soll zur Mittagszeit den Patres im Bergkloster direkt auf den Tisch gefallen sein."

Schwer verdauliche Kost

Abgeschossen worden sein soll sie an der Dockenhansl-Batterie, also an der Südwestecke der Stadt. "Der schwer verdauliche ,Amberg Knödel' hat aber kaum Schaden angerichtet" - und zum Dank "an den speziellen Schutzengel, den die Klosterbrüder bei diesem Essen hatten", ziert er seither das Portal der Bergkirche.
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