Gestählt vom Bayernstreik

Seit 60 Jahren gehören diese Männer der IG Metall an. Als sie in die Gewerkschaft eintraten, legte die IG Metall mit dem Bayernstreik die Elektro- und Metallindustrie im Freistaat lahm. Bilder: Huber (2)

Sie gingen mit ihr durch dick und dünn: Die Männer, die seit 60 Jahren der IG Metall angehören. Als sie in die Gewerkschaft eintraten, tobte in Bayern einer der heftigsten Tarifkonflikte überhaupt.

Die IG Metall habe in ihrer 120-jährigen Geschichte schmerzhafte Niederlagen einstecken müssen, aber auf der anderen Seite auch viele tarifliche Erfolge erreicht, sagte der ehemalige bayerische Bezirksleiter Werner Neugebauer. Grundlage dieser Erfolge seien die Aktivitäten derjenigen gewesen, die der Gewerkschaft jahrzehntelang die Treue gehalten haben. Im Kongresszentrum ehrte Neugebauer nun die Jubilare.

"Meistens der Teufel los"

In seiner aktiven Zeit sei er oft den Weg von München nach Amberg und Sulzbach-Rosenberg gefahren, "wobei meistens der Teufel los war", bekannte Neugebauer. Anlass dafür sei nicht nur die Maxhütte gewesen. "Es mussten auch verschiedene andere Probleme gelöst werden." 1954, als die Jubilare, die für 60-jährige Mitgliedsschaft geehrt wurden, in die IG Metall eintraten, hätten ein Facharbeiter einen Stundenlohn von 1,17 D-Mark und angelernte Arbeiter 87 Pfennig erhalten. Auch habe es Ortsklassen gegeben, wobei Amberg nicht wie München und Nürnberg in die ersten beiden Ortsklassen eingestuft war. Frauen und Jugendliche unter 21 Jahren hätten kräftige Abschläge hinnehmen müssen.

Der sogenannte Bayernstreik 1954, bei dem in Amberg Siemens betroffen war, habe einschneidende Folgen für die gesamte Metall- und Elektroindustrie gehabt. Der Ausstand habe mit einem Schiedsspruch geendet, mit dessen materiellem Ergebnis die Arbeitnehmer zufrieden gewesen seien. "Doch die Folgen für diejenigen, die sich am Streik beteiligten, waren teilweise katastrophal", sagte Neugebauer. So habe es 3500 Verfahren wegen Landfriedensbruch gegeben, 150 Beschäftigte seien zu Strafen zwischen einem und drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Arbeitnehmer, die von den Unternehmen in "Schwarzen Listen" geführten worden seien, hätten in ganz Bayern keine Arbeit mehr bekommen. Als Konsequenz aus diesem Desaster habe sich die IG Metall bei späteren Tarifauseinandersetzungen für wirksame Maßregelungsklauseln und für eine gleiche Laufzeit der Tarifverträge eingesetzt.

Jugend macht Sorgen

1956 sei das Ziel der IG Metall gewesen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durchzusetzen. Nach einem sehr langen Streik sei dies dann auch erreicht worden. 1974 seien die Ortsklassen abgeschafft und die 35-Stunden-Woche eingeführt worden. Neben den wirtschaftlichen und sozialen Problemen in der Bundesrepublik bereite den Gewerkschaften die Jugendarbeitslosigkeit, die in Ländern wie Griechenland und Spanien über 50 Prozent ausmache, große Sorgen. "Wie will man solche Jugendliche für ein friedliches und geeintes Europa begeistern, wenn sie keine Zukunftsperspektiven besitzen?", fragte Werner Neugebauer. Es sei höchste Zeit, dass die politisch Verantwortlichen etwas tun. "Die Jugend ist unser Kapital und nicht das Geld der Banken."

Zähle man alle Mitgliedschaftsjahre der Jubilare zusammen, so komme die stolze Zahl von über 21 000 zusammen, sagte der 1. Bevollmächtigte Horst Ott. Für das Engagement, das für einige bereits mit der Beteiligung am Bayernstreik begonnen hatte, verdienten die Jubilare Dank und Anerkennung. Welche Wertschätzung die IG Metall genieße, gehe auch aus den Mitgliederzahlen hervor. So gehörten bundesweit 2,3 Millionen, bayernweit 300 000 und im Bereich der Verwaltungsstelle Amberg mehr als 16 000 Mitglieder dieser Organisation an.

Viele vertraute Gesichter habe er bereits am Vormittag in der Kirche gesehen und wisse deshalb, dass keine zu langen Predigten erwünscht seien, betonte Landrat Richard Reisinger. Dessen Grußwort folgte ein Ausflug in die gesellschaftliche und gewerkschaftliche Geschichte durch Bürgermeister Martin Preuß. Die Verbundenheit des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit der IG Metall bekräftigte der Organisationssekretär der Region Oberpfalz, Andreas Schmal.
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