Gesundheitsforum klärt die Frage: Was hilft bei Durchblutungsstörungen in den Beinen?
Ziehen, Krämpfe, Ruheschmerzen

Die beste Medizin ist Bewegung.
Jeder dritte Deutsche leidet an Durchblutungsstörungen. Ursache dafür sind Ablagerungen (Arteriosklerose), die die Gefäße verengen oder ganz verschließen. "Die betroffenen Bereiche im Körper werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt", erklärte Prof. Dr. Volkher Engelbrecht, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum St. Marien, in seinem Vortrag beim Gesundheitsforum.

Die Schaufensterkrankheit

Alle Gefäße können davon betroffen sein, die häufigste Form ist allerdings die Verengung der Becken- und Beingefäße. Man spricht dann von der sogenannten Schaufensterkrankheit. Durch den Sauerstoffmangel in der Muskulatur entstehen Schmerzen oder auch Krämpfe in der Muskulatur, die die Betroffenen immer wieder zu Gehpausen zwingen. Sie bleiben dann stehen, bis die Schmerzen nachlassen, und sehen sich derweil die Schaufenster an - daher der Name der Erkrankung. "Bei fortschreitendem Verlauf können auch im Ruhezustand Schmerzen auftreten", so der Experte. "Das geht hin bis zu offenen Hautstellen, schlecht heilenden Wunden und Gewebeschäden."

Ein wichtiger Hinweis auf Durchblutungsstörungen in den Beinen ist ein schwacher oder sogar fehlender Puls am Fußrücken oder hinter dem Innenknöchel. "Eine genauere Diagnose kann durch eine Ultraschalluntersuchung erfolgen", erklärte Engelbrecht. "Die Untersuchung hat den Vorteil, dass sie keinerlei Nebenwirkungen hat."

Neben der Ultraschalluntersuchung gibt es noch die Möglichkeit, Engstellen oder Verschlüsse mit Hilfe einer Computer- oder Kernspintomographie zu erkennen. "Die Computertomographie ist das schnellste Untersuchungsverfahren, es dauert nur etwa eine Minute, bis alle Daten aufgenommen sind. Einschränkungen bestehen hier bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen oder stark verkalkten Gefäßen." Sehr häufig wird zur Gefäßdarstellung eine Kernspintomographie (Magnetresonanz-Angiographie) durchgeführt. "Bei diesem Diagnoseverfahren ist der Patient keinen Röntgenstrahlen ausgesetzt. Ungeeignet hierfür sind Patienten mit einem Herzschrittmacher."

Höchste Genauigkeit

Die Untersuchungsmethode mit der höchsten Genauigkeit ist die digitale Subtraktions-Angiographie (DSA), bei der ein Katheter über die Leiste eingeführt wird. "Dies ist eine sogenannte invasive Methode", klärte Engelbrecht auf. "Sie wird in örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert etwa eine Stunde. Die meisten DSA-Untersuchungen haben das Ziel, neben der detaillierten Gefäßdarstellung auch Engstellen zu behandeln."

Entscheidend für die Art des Vorgehens sind zwei Faktoren: Das Stadium der Erkrankung und Lage und Ausmaß der Verengung. "Bei einer beginnenden Gefäßveränderung sollten zunächst einmal die Risikofaktoren wie Rauchen, zu hoher Blutdruck oder eine Störung des Fettstoffwechsels beseitigt werden", schilderte der Experte. "Außerdem sollte der Patient durchblutungsfördernde Medikamente nehmen und regelmäßig kontrolliertes Gehtraining absolvieren."

Hält das Gefäß offen

Bei Stenosen und Verschlüssen der Becken-, Oberschenkel- und Unterschenkelgefäße ist die minimalinvasive radiologische Therapie die bevorzugte Behandlung: "Wir können beispielsweise das betroffene Gefäß mit Hilfe eines Ballonkatheters wieder dehnen und gegebenenfalls eine zusätzliche Gefäßstütze, einen sogenannten Stent, in die Verengung einsetzen. Dieser hält das Gefäß von innen offen." Engstellen, die mit diesen Methoden nicht behandelt werden können, werden operativ behandelt. Engelbrecht: "Mit über 700 radiologischen Gefäßbehandlungen im Jahr verfügt unsere Abteilung über große Erfahrung."

Den Zuhörern gab der Spezialist noch mit auf den Weg: "Beugen sie Durchblutungsstörungen durch gesunde Ernährung und den Verzicht auf Nikotin vor. Und die beste Medizin ist Bewegung."
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