Gewaltexzesse übelster Art

Das Landgericht Amberg muss entscheiden, was mit dem gewalttätigen 31-Jährigen geschehen soll. (Bild: Symboldbild)

Der Prozess vor dem Landgericht Amberg dauert fünf Tage. Auf der Anklagebank sitzt ein 31-Jähriger, dem die Staatsanwaltschaft zahlreiche gewalttätige Übergriffe vorwirft. Dabei floss viel Blut.

Er kam nach zehnjähriger Unterbringung in der Psychiatrie auf freien Fuß und kehrte in seinen Heimatort im östlichen Kreis Schwandorf zurück. Nur wenige Monate später begannen dort Ausschreitungen, die die Polizei in tiefe Sorge versetzten. Der heute 31-Jährige bestritt die Vorwürfe zum Verhandlungauftakt teilweise, manches räumte er auch ein.

Der Mann, so meint die Staatsanwaltschaft, ging ab August vergangenen Jahres nahezu ansatzlos gegen seine Mutter, seine Lebensgefährtin und einen im gleichen Haus wie er wohnenden Nachbarn vor. Er setzte seine Fäuste und Füße ein, griff zu Schlagwerkzeugen wie Kleiderbügel und einer Stange, drosch angeblich auch mit einem langen Fahrradschloss aus Metall zu.

Dauerhafte Schäden

Die Folgen waren massiv: Zweimal musste die Lebensgefährtin zu stationären Behandlungen ins Krankenhaus. Sie war in der gemeinsamen Wohnung malträtiert worden, bekam angeblich auch massive Hiebe während einer Autofahrt. Weil dann herabtropfendes Blut ihre Sicht als Fahrerin trübte, streifte der Wagen einen geparkten Pkw. In der Anklageschrift sind nun Verletzungen aufgelistet: Hämatome, eine Nasenbeinfraktur, Prellungen.

Ähnlich soll es auch dem Nachbarn ergangen sein, der eigentlich nur schlichten wollte. "Würden Sie uns Ihre Narben zeigen?", fragte die Vorsitzende der Ersten Strafkammer, Roswitha Stöber. Daraufhin schob der Mann sein Hemd nach oben und man sah bleibende Verletzungsmerkmale. Sie rührten offenbar von der Stange aus einem Kleiderschrank her. Das Opfer trug unter anderem eine Stückfraktur des Jochbeinfortsatzes davon. Dennoch fand der Nachbar gute Worte für seinen mutmaßlichen Peiniger: "Er hatte bisher ein schweres Leben."

Sache der Persönlichkeit

Die Ausschreitungen zogen sich bis zum Januar 2014 hin. Dann kam der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Ihm wird nun auch vorgeworfen, seine Mutter gewürgt und durch Schläge misshandelt zu haben. Im Gerichtssaal sitzen zwei psychiatrische Sachverständige, außerdem wird ein Rechtsmediziner aus Erlangen sein Gutachten vorlegen. Das Verfahren geht mit der Anhörung zahlreicher Zeugen einher. Die Strafkammer will sich dabei ein genaues Bild vom Ablauf der Exzesse verschaffen. In seinem Anklagevortrag sagte Staatsanwalt Tobias Kinzler: "Wegen der bestehenden Persönlichkeitsproblematik muss davon ausgegangen werden, dass die Fähigkeit, das Unrecht der Taten einzusehen, erheblich vermindert war."
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