Gewichtige Probleme

Ab und an in einen Hamburger zu beißen, ist okay, Ernährung soll keine Selbstkasteiung sein. Doch wer nur Fastfood sowie Teil- oder Fertigprodukte ist, bekommt schnell Übergewicht und gesundheitliche Probleme. Bild: dpa

Die Gesellschaft wird nicht nur älter. Sie wird vor allem auch immer dicker. Die Statistik belegt es, 67 Prozent der Männer und über 50 Prozent der Frauen sind übergewichtig. Tendenz steigend. Eine Situation, auf die sich auch zunehmend Kliniken einstellen müssen.

Schwierig wird es, wenn extrem schwergewichtige Patienten zur Behandlung oder Untersuchung ins Klinikum St. Marien kommen. Ernährungsärztin Dr. Alexandra Bloch schildert, womit Ärzte und Pflegekräfte zu kämpfen haben.

Kaum Ultraschall oder MRT

Das fängt schon bei den Geräten an. "Normale OP-Tische sind nicht auf dieses Gewicht ausgelegt", sagt sie über hochgradig adipöse, also sehr fettleibige Patienten. Auch beim Magnetresonanztomographen (MRT) sei es schwierig, weil der Bauchumfang bei manchen größer ist als die Röhre. "Da tut man sich auch mit dem Ultraschall schwer", so die Medizinerin. Alexandra Bloch schätzt, dass es Zukunft ein noch größeres Problem sein wird. Sorgen macht ihr vor allem, dass immer mehr Kinder zu dick sind. Bis zum Vorschulalter sei es häufig nicht so schlimm, da würden sich die Kleinen viel bewegen. Später sitzen sie in der Schule, in ihrer Freizeit vor Fernseher oder Computer. Hinzu kommen unregelmäßiges Essen, Fastfood oder Convenience-Produkte, wie Teil- und Fertiggerichte in der Fachsprache heißen. Später gesellen sich Krankheiten hinzu, die durch Fettsucht ausgelöst werden. Diätassistentin Lilly Gaulard-Hirth nennt die hauptsächlichen: Diabetes, Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

"Erwiesen ist, dass Übergewicht die Entstehung von vielen Tumoren begünstigt", ergänzt Alexandra Bloch. Sie zitiert eine andere Statistik: Nimmt ein Patient, der 160 Kilo wiegt, zehn Kilo ab, dann sinkt sein Blutdruck um zehn mmHg, wie die Maßeinheit für Blutdruck heißt.

Nicht für den Arzt

Abnehmen tut man nicht für den Arzt oder die Diätassistentin, sondern für sich selbst und seine Gesundheit. Die Ernährungmedizinerin vergleicht den menschlichen Körper mit einem Haus. "Daheim macht man es sich gemütlich und richtet es sich schön ein. Beim eigenen Körper ist man da nachlässiger." Wichtig sei, früh genug einzugreifen, ergänzt Barbara Sporer, Krankenschwester und Diabetes-Beraterin. "Und nicht erst, wenn man Insulin spritzen muss." (Angemerkt, Interview auf Seite 27)
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