Glanzvolle Wiederkehr

Die Vielseitigkeit der klassischen Gitarre zeigte Igor Lichtmann bei seinem Auftritt in der Frauenkirche. Der Musiker studierte nach seinem Abitur, das er 2008 am Max-Reger-Gymnasium abgelegt hatte, an der Hochschule für Musik in Nürnberg und am Mozarteum in Salzburg. Jetzt ist er am Konservatorium in Maastricht. Den Bachelor absolvierte er mit Bestnote, den Master geht er gerade an. Bild: Tietz

Einerseits sind die Renovierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen, für ein besonderes Ereignis erwies sich die Frauenkirche am Roßmarkt dennoch als passender Ort.

Dort trat Igor Lichtmann auf. Der Musiker wurde zwar in Moskau geboren, verbrachte aber Kindheit und Jugend in Amberg. Die Verbindung riss schon deshalb nie ab, weil seine Mutter hier als Klavierpädagogin arbeitet. So erschien es wie eine Heimkehr aus der Fremde, als Lichtmann das Podium des Altarraums betrat, um die Vielseitigkeit klassischer Gitarrenmusik zu zeigen.

Eine besondere Tradition

Dass spanische und lateinamerikanische Kompositionen dabei viel Raum einnahmen, liegt daran, dass in diesen Ländern Musik für Gitarre eine besondere Tradition hat. Ein besonderes Verdienst des Musikers ist ferner, Stücke, die es längst wert wären, endlich die Aufmerksamkeit zuzuführen, die sie verdienen. So "La Catedral" von Agustin Barrios Mangoré.

Der Gitarrist gab dem feinsinnig klingenden "Preludio", dem akkordreichen andächtigen "Andante Religioso" und dem abschließenden rasch dahinfließenden "Allegro solemne" die jeweiligen musikalischen Empfindungen gemäß den Überschriften. Von gänzlich anderer Stilrichtung war das nächste Stück: "Sarabande" von Francis Poulenc lebt von berückender Farbigkeit der Tonkombinationen. Ein Stück eines lebenden Komponisten folgte: "The Fall of Birds" von Nikita Koschkin geht mit Melodien und ihrer Begleitung zwar tonal aber in eigener Klangwelt um, die in schnell aufeinander folgenden Tonsequenzen dargestellt wird.

Zwei Sätze aus der "Hommage a Tárrega" von Joaquin Turina schlossen sich an. "Garrotin" ist eine wilde Akkordfolge über einer feinen Melodie, "Soleares" zeigt ebenfalls schnelle Tonfolgen, welche die Melodie inkludieren. Aus den "Vier Walzern" op 8 von Agustin Barrios interpretierte Igor Lichtmann die Nr. 4 G- Dur. Tänzerisch flott glitt die Melodie dahin. Das Finale bildete die "Sonata Omaggio a Boccherini" op 77 des Italieners Mario Castelnuovo-Tedesco. Manche Tonfolgen erinnern an seinen Kollegen, erklingen in der neuen Erscheinungsform aber als eine Ehrerbietung.

Lebensfreudiges Finale

Das betrifft den Duktus aller vier Sätze, das geistreiche Allegro, den Gesang des Andantino, das tänzerische Menuett, wie das virtuos energische und lebensfreudige Finale. Und damit war etwas mehr als eine Stunde entdeckungsreicher Bekanntschaft mit gelungenen musikalischen Schöpfungen für Konzertgitarre schon wieder zu Ende.
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