Glosse: Der erste Schul-Drive-in

Symbolbild: dpa
Frauen mögen Kleinwagen, weil sie kurz, wendig und übersichtlich sind, weil sie in jede Parklücke passen. Falsch! Die Frau von Welt, die etwas auf sich hält, fährt lieber SUV. Sport Utility Vehicle? Nein. Sehr Unförmiges Verkehrshindernis. Man sitzt hoch. Ja. Und hat den vollen Überblick. Theoretisch. Die Praxis, das wahre Leben, spielt sich mehrmals täglich vor Kitas und Schulen ab. SUVs ohne Ende. Und andere (große) Kisten. Auf Gehsteigen, Radwegen, einfach überall.

Ein Wunder, dass die Kleinen beim Spießrutenlauf durch vorwärts und rückwärts fahrende, wartende, wendende und parkende Autos immer wieder mit heiler Haut den Stuhlkreis erreichen. Und die Schüler von heute scheinen mit derart schwachen Beinen geboren zu sein, dass sie zum Laufen nicht mehr taugen. Beine, die gerade mal den Weg vom Privat-Taxi bis zum Klassenzimmer und zurück schaffen. Gut, dass es Mütter gibt, die Multitasking können: gleichzeitig Mittagessen kochen und den Nachwuchs von der Schule abholen. Wir hätten uns damals in Grund und Boden geschämt, wenn Mama mit dem Auto vorgefahren wäre. Keiner wollte ein Muttersöhnchen sein. Und zweieinhalb Kilometer zu Fuß waren einst überhaupt kein Thema.

Die Lösung aller Hol- und Bring-Probleme verspricht Ambergs erster Schüler-Drive-in. Funktioniert in etwa so wie bei McDonald's: Mädel oder Bub hinfahren, Autotür auf, Kind am Terminal durch die Klappe in die Schule, fertig! Und umgekehrt. Eröffnung ist am 1. April. Am 1. April!!! Sie verstehen?

juergen.kandziora@zeitung.org
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