Göttliche Klänge im Kirchenschiff

Das Neujahrskonzert des Zephir-Trompetenensembles (Bild) in der Basilika St. Martin war ein Musikgenuss für Kenner. Das Sextett bekam sogar Unterstützung eines Organisten und Schlagwerkers. Bild: Steinbacher

Als Kammermusik in Blech klassifiziert das Ensemble Zephir seine Musik. Dass dies eine Untertreibung ist, erlebten die Zuhörer beim Neujahrskonzert in der Basilika St. Martin. Die sechs Bläser schaffen es mühelos, ein volles, fast schon sinfonisches Klangbild zu vermitteln.

Zephir ist eine Gottheit im Pantheon des klassischen Griechenlands und dort zuständig für den Wind. Heute bezeichnet der Begriff einen Fallwind, vergleichbar dem oberbayrischen Wetterphänomen Föhn. Aber es war keineswegs nur heiße Luft, die aus den Schalltrichtern der Instrumente des Sextetts kam. Bei diesem Konzert bekamen die Bläser Unterstützung von Bernhard Müllers an der Orgel - die ja streng genommen ein Blasinstrument ist - und dem Schlagwerker Christoph Indrist.

Strahlende Fanfaren

Die strahlenden Fanfaren der Fest-Ouvertüre von Dimitri Schostakowitsch gaben dem Publikum einen Vorgeschmack auf das Kommende, nämlich zum einen Bläserklänge von außerordentlicher Schönheit und Kompositionen, von denen manche wie speziell für die Besetzung von Zephir geschrieben, andere von Georg Birner dafür arrangiert waren.

Georg Birner zeichnete sich auch als großartiger Musiker und Könner auf verschiedenen Blasinstrumenten aus, ebenso wie seine Kollegen Patrik Arnold, Markus Burger, Michael Feldner, Patrick Lorbach und Daniel Reiter, die auch in anderen namhaften Ensembles und Orchestern erfolgreich musizieren. Ebenso beachtlich wie die Schostakowitsch-Ouvertüre gestaltete Bernhard Müllers den Hamburger Totentanz. Basierend auf einem ständig wiederholten Grundmuster entwickelte sich in dieser Komposition von Guy Bovet ein schwindelerregendes Klanggebilde. Ebenso kraftvoll und farbig gestaltete sich auch das Finale mit Giuseppe Verdis Triumphmarsch aus Aida.

Leisere Töne - die gibt es bei Blechbläsern tatsächlich - bestimmten die Werke zwischen diesen mitreißenden Stücken. Überwiegend von zeitgenössischen Komponisten stammten diese fast meditativen Kompositionen. Hier zeigten die Zephir-Musiker, dass sie für ihr Ensemble einen ganz eigenen, unverwechselbaren Klang gefunden haben.

Kleine Erholungspausen

Fließende Melodien mit kaum hörbaren Variationen, mal im Gleichklang, mal polyphon, aber immer darauf bedacht, das Kirchenschiff mit reinen und strahlenden Tönen, dem feierlichen Ambiente gemäß, zu beschallen.

Gelegentlich gab es kleine Erholungspausen für die Bläser, nämlich wenn Bernhard Müllers als Solist an der Orgel brillierte, wie bei Robert Jones' Toccatino oder Christoph Indrist zu den Schlägeln griff und aus seinem Vibraphon bei Escape from Rio von Eckhard Kopetzki berückend schöne Klänge hervorzauberte. Mit einem ganz speziellen Intermezzo, nämlich Vor em Huus von Hans-Jörg Sommer, überraschte Georg Birner und zeigte einmal mehr, dass er nicht nur ein virtuoser Trompeter ist, sondern auch andere Instrumente beherrscht, in diesem Fall das Alphorn.

Mit ihrem Auftritt in der Basilika St. Martin begeisterte das verstärkte Bläsersextett nicht nur die Zuhörer im Gotteshaus, sondern brach auch eine Lanze für die oft viel geschmähten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
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