Grammer Solar setzt auf ökologische und ökonomische Vernunft: G7-Gipfel, Intersolar-Messe in ...
Renaissance der Sonnenenergie

Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar, kämpft weiter für die Energiewende. Bild: Herda
Die Wenden der Energiepolitik versteht man wohl nur noch, wenn man, wie die Bundesregierung die Interessen aller Akteure austarieren muss: naturgemäß in der Reihenfolge von Größe und Bedeutung der Lobby. Kaum eine Branche ist in den vergangenen Jahren so rasant abgestürzt, wie der Hoffungsträger Solarindustrie. Vor der Münchner Messe "Intersolar" keimt wieder zarte Hoffnung.

Nach dem Klimaschutz-Bekenntnis der G7-Staaten im idyllischen Elmau fordert die gebeutelte deutsche Solarindustrie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Handeln auf: "Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland und Europa ist seit Jahren rückläufig", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. "Das passt mit den jüngsten Beschlüssen der G7-Länder nicht zusammen."

Boom nicht nur in den USA

Das sieht man in der Oberpfalz genauso. "Vor allem in den USA, aber auch in vielen Ländern Asiens und Afrikas erlebt die Solarenergie einen Boom", sagt Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar in Amberg. "Dort hat man erkannt, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört." Eine Erkenntnis, die auch Peter Barth, Leiter Netzentwicklung bei Amprion, unterschreibt: "Regenerative Energien haben ungeheuer an Wirtschaftlichkeit gewonnen", sagt der Techniker. "Selbst Frankreich will sich mittelfristig von 50 Prozent der Kernkraftwerke trennen."

Auf diese Logik weist Schröpf seit Jahrzehnten hin: "Der Preis regenerativ erzeugten Stroms sinkt, weil die Ressourcen nach der Installation der Anlagen nahezu kostenlos zur Verfügung stehen." Das kann man von Kohle, Öl, Gas und Uran nicht behaupten - ganz zu schweigen von dem immer teuereren und riskanteren Aufwand, diese zu heben.

"Die EEG-Förderung erneuerbarer Energien war immer transparent im Strompreis ausgewiesen", erklärt Schröpf die verzerrte Wahrnehmung, dass ausgerechnet die günstigen Ressourcen Preistreiber sein sollen. "Die staatlichen Förderungen von Atom und Kohle werden teils aus dem öffentlichen Haushalt, teils über Regelungen wie beim Emissionshandel bestritten - und sind somit für die Verbraucher auf ihren Stromrechnungen nicht sichtbar." Schröpf appelliert an die Politik, die originär "deutsche Erfindung" nicht wie so viele andere aus der Hand zu geben. "Deutsches Know-how ist weltweit gefragt, noch ist es nicht zu spät um die ,Überlebenden der EEG-Wende' durch verlässliche Rahmenbedingungen wieder aufs Gleis zu setzen."

Der dramatische Einbruch liege gar nicht daran, dass sich die Solaranlagen auf dem Dach nicht mehr rechneten, im Gegenteil: "Wer die Strompreisentwicklung vor Augen hat, weiß, dass sich gerade die Eigenversorgung mehr denn je rentiert", sagt der Unternehmer. "Doch die Verunsicherung der Verbraucher bremst jede Initiative." Dabei sei genügend Geld am Markt: "Ob privat oder Unternehmer - für beide lohnt sich in dieser anhaltenden Niedrigzinsphase ein Investment in die Strom-Autarkie weit mehr als die Euros auf der Bank zu horten."

Impulse durch Speicher

Zusätzliche Impulse können Energiespeicher geben, mit denen sich der erzeugte Solarstrom für die Selbstversorgung besser nutzen lässt - so steht auch in den Abendstunden der in den Mittagsspitzen produzierte Strom zur Verfügung. "Bis zu 80 Prozent seines Strombedarfs kann ein Haushalt mit PV heute decken." Das Potenzial ist groß: Von den 1,5 Millionen Häusern in Deutschland mit Solarstromanlage auf dem Dach nutzen erst 15 000 einen Speicher.

Der Solar-Spezialist SMA kündigte die Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen Lichtblick an. Ziel der Kooperation sind sogenannte Schwarm-Speicher - der Zusammenschluss mehrerer Solarstrom-Speicher, die damit wetterbedingte Schwankungen der Stromversorgung besser ausgleichen können.

Die Solarindustrie möchte ihre Forderungen am heutigen Freitag auch an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) herantragen, der sich auf der Intersolar zum Stand der Energiewende äußern will: Nach dem G7-Beschluss zum Kohle-Ausstieg dürfte der wendige Vize-Kanzler zusätzlich unter Druck geraten.
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