Grammer verkauft Standort

Der Nachbar auf Expansionskurs: Der im Immenstettener Industriegebiet ansässige, prosperierende Mittelständler Baumann Automation (im Hintergrund) möchte erweitern und hat von der Grammer AG das 7,5 Hektar umfassende Firmenareal dort (im Vordergrund) erworben. In drei Phasen will bis 2020 der Käufer das gesamte Areal schrittweise übernehmen. Bild: Steinbacher

In vier dürren Sätzen informierte die Unternehmensspitze per Intranet die Belegschaft. Das schafft Verunsicherung, und der Betriebsrat hat zu tun, die Wogen zu glätten.

(zm) Die Top-News trägt das Datum 21. Oktober: "Standort Immenstetten wird an einen ortsansässigen Investor verkauft." Abgesandt wurde sie in der Vorstandsetage der Grammer AG. Offenbar waren sich die Autoren dieser Kurzinformation bewusst, dass so eine betriebsinterne Mitteilung für Verunsicherung in der Belegschaft sorgt.

Deshalb noch ein zweiter Satz: "Gleichzeitig stehen der Grammer AG aber die Hallen und Bürogebäude für einen längeren Zeitraum weiter zur Verfügung." Das war es dann weitestgehend mit der Auskunftsfreude an der Unternehmensspitze. Bis heute. Zwei Tage, so erzählt Betriebsratsvorsitzender Lars Roder, seien deshalb er und Kollegen in den Büros und Hallen in Immenstetten unterwegs gewesen, um mit dieser Meldung aufgekommene Ängste um den Arbeitsplatz zu mildern.

2016 geht es los

Rund 440 Beschäftigte arbeiten derzeit in den Büros (Verwaltung, Konstruktion, Entwicklung) und Hallen (Logistik) in Immenstetten. Die ersten sollen offenbar bereits im nächsten Jahr dort ausziehen. Das haben die Betroffenen jedoch nicht von ihrer Unternehmensspitze erfahren, sondern auf Umwegen. Der Grammer-Betriebsrat hat am 11. November ein zweiseitiges "BRandaktuell" herausgegeben, in dem Bezug auf eine Belegschafts-Information des Nachbarunternehmens Baumann Automation genommen wird. "Unsere übergeordnete Holding (...) hat das komplette Betriebsgelände der Firma Grammer in Immenstetten erworben. Die Firma Grammer wird bis zum Jahr 2020 ihre gesamte Belegschaft an einen neuen Standort verlegen", heißt es darin.

Völlig unkompliziert bestätigt auf AZ-Anfrage Georg Baumann, Inhaber der Holding der gleichnamigen Firmengruppe, den rund 7,5 Hektar umfassenden Grundstückshandel. Dass die schrittweise Übergabe der bisherigen Grammer-Liegenschaften schon 2016 mit der Immenstettener Logistikabteilung und deren rund 50 Beschäftigten losgehen soll, hat Roder auch erst aus der Baumann-Information erfahren. Deshalb hält der Grammer-Betriebsratsvorsitzende mit seiner Verärgerung nicht hinter dem Berg.

Es könne doch nicht sein, dass sich die Belegschaftsvertretung bei einem Nachbarunternehmen erkundigen müsse, was im eigenen Haus los sei. Dennoch möchte Roder die Diskussion versachlichen und betont mehrfach, dass ein Grundstücksverkauf noch lange keine Betriebs- oder Abteilungsschließung bedeute und deshalb nicht vorschnell mit dem Abbau von Arbeitsplätzen gleichzusetzen sei. Außerdem geht er davon aus, die in Immenstetten vereinbarungsgemäß Zug um Zug bis 2020 zu räumenden Arbeitsplätze in der Region halten zu können.

Keine Stellungnahme

Die Vorstandsspitze habe zudem zugesichert, zumindest die von der ersten Umzugsphase betroffenen Beschäftigten noch in diesem Jahr ausführlich zu informieren. Bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels war die Geschäftsführung der Grammer AG für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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