Grazil und hart in Harmonie

Veronika Riedls und Vasilji Plotnikovs Ausstellung im Kunstkombinat in der Neustift ist noch bis Monatsende zu sehen. Bild: Steinbacher

Robust und filigran - was sich wie ein schwer zu überbrückender Gegensatz anhört, ist noch bis zum Freitag, 31. Oktober, im Kunstkombinat in einer harmonisch aufgebauten Ausstellung zu sehen. Mit den Werken von Veronika Riedl und Vasilij Plotnikov ist das Ende der Saison eingeläutet.

Der aus dem russischen Sotschi stammende Vasilji Plotnikov machte sich einst auf den Weg nach Westen und kam 1995 in die Oberpfalz, wo er in Schwarzhofen "hängenblieb". Dort betreibt er gemeinsam mit Veronika Riedl die Galerie VKUS. Plotnikov hat eine Ausbildung zum Holzbildhauer in Flensburg absolviert und einen ganz individuellen Stil in diesem Bereich gefunden. Er bearbeitet seine Werkstücke mit der Kettensäge.

In sanften Rundungen

Obwohl sich das recht brachial anhört, sind seine Skulpturen aus Mooreiche, Linde und anderen Hölzern doch in ihrer Art recht filigran geraten. Meist wie in der Natur himmelwärts strebend, manche kerzengerade, andere wiederum in sanften Rundungen geschwungen, erzielen diese Kunstwerke einen lebhaften Eindruck. Der Gegensatz zwischen der natürlichen Struktur des Holzes und den künstlich zugefügten Kerben und Furchen verleiht ihnen trotz der Starre des Materials die Illusion von Bewegung.

Sehr ästhetisch

Außer mit dem bevorzugten Werkstoff Holz arbeitet Vasilij Plotnikov auch mit anderen Materialien. So zeigt er eine Reihe von Porträtbüsten aus Sandstein, Reliefporträts aus gedengeltem Blei, die mehrere Gesichter vereinen und in ihrer Art wie kleinere Ausgaben der Präsidentenporträts am Mount Rushmore wirken. Besonders interessant sind die Miniaturfigürchen, in denen er Haltung und Stimmung von Menschen einfängt, die er zufällig beobachtet hat.

Die Ausstellungsstücke, die Veronika Riedl präsentiert, sind weniger robust als die ihres Kollegen. Ihre bevorzugten Materialien sind Porzellan und Keramik, aus denen sie filigran und zerbrechlich wirkende Kunstwerke zaubert. Das empfindliche Material verarbeitet die Künstlerin zu sehr ästhetischen Kombinationen aus phantastischen Elementen und Gegenständlichem.

Reichlich morbid wirken die Tierschädel und -klauen, die in allen möglichen Formen und Größen einen wichtigen Teil des Schaffens von Veronika Riedl ausmachen. Arachnophobe Ausstellungsbesucher werden wohl einen großen Bogen um den überdimensionierten Weberknecht machen, der sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht.

Mehr Aufmerksamkeit sollte aber bei dieser "Geschmacksverstärker" betitelten Ausstellung den Ähnlichkeiten, die die Exponate der beiden Künstler trotz der Verschiedenheit der Charaktere und der Werkstoffe aufweisen, gewidmet werden. Die Ausstellung ist insgesamt sehr harmonisch aufgebaut und passt ganz hervorragend in das Ambiente des Kunstkombinats, Neustift 47, wo sie noch bis zum Freitag, 31. Oktober jeweils Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr zu sehen ist.

Musikalisch umrahmte die Vernissage die Band "Experience KG", deren Gitarrist Klaus Götze, begleitet von seinem Bruder Wolfgang am Schlagzeug und dem Bassisten Rutger Wiesmeth, seinem Instrument ähnlich brachial zu Leibe rückte wie Vasilij Plotnikov seinen Hölzern und damit an die großen Gitarristen der psychedelischen Ära erinnerte.
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