Grober Missbrauch von Vertrauen

Er wurde kreidebleich. Als das Urteil kam, war dem Mann aus Pfreimd wohl endgültig klar, was er in seinem Partykeller angerichtet hatte. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sowie des Besitzes von kinderpornografischem Bildmaterial muss er siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Und dann?

Auch am zweiten Prozesstag geisterte eine Frage durch den Sitzungssaal: Wie konnte es sein, dass der Handwerksmeister, dem sie den Spitznamen "Schlot" gaben, drei Jahrzehnte lang einen illegal betriebenen Partykeller in Pfreimd unterhalten konnte? Verblüfft nahm man bei der Ersten Strafkammer zur Kenntnis, dass tatsächlich irgendwann einmal die Polizei vorfuhr. Sie ließ alle jungen Partygäste ins Testgerät blasen und stellte fest: Keiner hatte Alkohol. Das genügte offenbar. Später schaute die Exekutive nicht mehr vorbei. Und es fragte auch keiner nach gaststättenrechtlichen Lizenzen. Ganz zu schweigen von einem Besuch des Jugendamts.

Als die Kripo Amberg vor fast genau einem Jahr zu ermitteln begann, vernahm sie rund 200 Personen. Sie wusste von sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche. Doch die Kooperation mit möglichen Geschädigten war schwierig. "Wir sind oft schroff abgewiesen worden", berichtete die Leiterin der damaligen Nachforschungen. Dann ließ sie wissen: "Es waren auch ganz viele Leute in dem Haus, denen nichts passiert ist."

Der 56-jährige Pfreimder auf der Anklagebank hat eine sexuelle Neigung zu jungen Burschen im pubertären Alter. Frauenbekanntschaften suchte er nach eigenem Bekunden nie. In der Stadt geisterten Gerüchte über ihn, wurde ihm auch empfohlen, sich bei Vorstandswahlen in Vereinen tunlichst zurück zu halten. In therapeutische Behandlung hat er sich nie begeben. Jetzt sei es dafür höchste Zeit, hieß es im Urteil, das die Strafkammer nach zwei Prozesstagen sprach.

Siebeneinhalb Jahre muss der Mann hinter Gitter. Ein Fall für die dauerhafte Unterbringung in der Forensik sei er nicht, verdeutlichte sich in einem psychiatrischen Gutachten. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre gefordert, die beiden Verteidiger plädierten auf viereinhalb Jahre Haft. "Er war für viele in seinem Partykeller eine Vaterfigur, Vertrauen wurde grob missbraucht", sagte Richterin Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung. Die Kammervorsitzende erinnerte an nachhaltig eingetretene Folgen bei Geschädigten. "Sie leiden bis heute unter den sexuellen Übergriffen". Drei der jungen Gäste, die beispielsweise bei "Strip-Kartenspielen" mitmachten und sich von dem um Jahrzehnte älteren Keller-Besitzer begrapschen lassen mussten, sind bis heute nicht auf diese Begebenheiten ansprechbar. Einen der vielen Anklagepunkte stellte die Kammer mit Zustimmung der Staatsanwältin ein. (Hintergrund/Seite 6)
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