Großer Organist trifft großen Chor

Norbert Düchtel an der Sandtner-Orgel und der Oratorienchor glänzten harmonisch perfekt. Bild: Günter Hummel
Vor einem Jahr wurde die große Sandtner-Orgel in der St.-Konrad-Kirche feierlich eingeweiht. Am Samstagabend gaben der Amberger Oratorienchor und Norbert Düchtel ein Benefizkonzert zugunsten dieser musikalisch wie finanziell aufwendigen Investition. Entsprechend der französisch-romantischen Disposition des Instruments hatten die Verantwortlichen ein wunderbares Paket mit Orgel- und Chormusik dieser Zeit geschnürt, für das sich Pfarrer Michael Jakob ebenso bedankte wie für die gute Resonanz der Zuhörer.

Starker Spannungsbogen

Bereits bei den Anfangstakten des einleitenden Allegro vivace aus der ersten Orgelsymphonie von Lazare Maquaire wurde deutlich: Hier sitzt ein ganz großer Könner seiner Zunft an den Tasten und Registern. Norbert Düchtel bewies nicht nur mit seinen Registrierungen ein feines Gespür für die Klangfülle des Instruments, sondern schuf von Beginn an einen großen Spannungsbogen, der das Publikum in seinen Bann zog.

Das Hauptwerk des Abends war die Messe solennelle in cis-Moll für Chor und Orgel von Louis Vierne. Eigentlich wurde sie für zwei Orgeln plus Chor komponiert und auch so in St. Sulpice in Paris uraufgeführt. Doch gibt es aus praktischen Gründen seit einigen Jahren eine Fassung für eine Orgel. Im spätromantischen Stil wird sie orchestral eingesetzt und schafft mit wuchtigen Akkorden, aber auch filigranen kantablen Passagen einen beeindruckenden Klangteppich.

Vierne kreierte mit dieser Messkomposition nicht nur ein überwältigendes Zeugnis der spätfranzösischen Romantik, sondern begann in einigen Passagen bereits, neue Wege in Richtung Avantgarde zu experimentieren.

Der Amberger Oratorienchor präsentierte sich wieder einmal in Höchstform. Trotz hochsommerlicher Temperaturen war er konzentriert und glänzte mit feinsten piano-Akkorden ebenso wie mit klangvollen, kräftigen Hosannafanfaren. Kleinere Unstimmigkeiten im Benediktus störten nicht den insgesamt positiven Eindruck bei diesem äußerst anspruchsvollen Werk. Thomas Appel dirigierte den Chor gewohnt präzise und verzichtete auf unnötige, ausladende Gesten.

Perfektes Zusammenspiel

Damit ließ er Raum für die musikalische Entwicklung und farbenreiche Gestaltung dieser wunderbaren Musik und erzeugte eine spannungsreiche Raumwirkung. Das musikalische Zusammenspiel zwischen Düchtel und Appel klappte bestens; man spürte, dass beide Musiker schon oft miteinander konzertiert haben.

Langanhaltender Applaus zeigte deutlich, dass dieses Benefizkonzert die Zuhörer tief beeindruckt hatte. Als Zugabe wiederholten die Mitwirkenden das imposante Kyrie aus der Messe solennelle.
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