Gustav Weißkopf

War er es oder doch nicht, müssen die Gebrüder Wright als Schwindler bezeichnet werden oder ist das alles nur heißer Wind? Wenn es um Gustav Weißkopf geht, kann sich Norman Bernschneider fast genauso hineinsteigern wie bei Otto Lilienthal. Gustav Weißkopf oder Whitehead, wie er sich später in Amerika genannt hat, gilt vielen als der erste Mensch, der ein Flugzeug mit Motorantrieb gebaut und auch in die Luft gebracht hat.

Die Beweislage ist schwierig, die über diese Frage entbrannte Diskussion längst im sehr persönlichen Bereich angekommen. Da gibt es auf der einen Seite das Smithonian Institut in Washington, das seine Mitarbeiter sogar vertraglich verpflichtet hat, niemals zu behaupten, es habe einen bemannten Motorflug vor den Gebrüdern Wright im Jahr 1903 gegeben.

Auf der anderen Seite steht vor allem der in Deutschland lebende Australier John Brown, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Welt davon zu überzeugen, dass Gustav Weißkopf erstmals im August 1901 am Strand von Bridgeport mit seinem Motorflugzeug gestartet ist. Als Beweis führt er unter anderem Artikel in zwei Lokalzeitungen an, die ausführlich über die ersten beiden Flüge Weißkopfs berichten. Einziges Manko: Es gibt weder Bild noch Film, die Zeitungen dekorierten ihre Artikel ausschließlich mit gemalten Grafiken.

Eigentlich wollte sich Norman Bernschneider in diesen Streit nicht einmischen. "Meine Frau sagt auch immer, halt dich da raus", erzählt er. Aber längst steht er im engen Kontakt mit John Brown, sammelt für ihn Fakten und unterstützt ihn in seinen Argumenten. Die andere Seite hält das alles für unseriösen Firlefanz. Und auch hier ist wieder ein Amberger mit von der Partie: Stefan Bartmann, lange Jahre Filmkritiker der Amberger Zeitung, begeisterter Flieger und Luftfahrtjournalist. In einem Artikel in der Flugzeug Classic vom März 2014 lässt er kein gutes Haar an der Weißkopf-Fraktion.

Die Wahrheit lässt sich herausfinden. Die ganze Angelegenheit ist inzwischen in der bayerischen Politik angekommen. Am Mittwoch, 20. Mai, steht im Landtag eine Weißkopf-Anhörung auf der Tagesordnung. Dann wird John Brown zugegen sein, um dem Franken Weißkopf die Ehre zukommen zu lassen, die ihm seiner Ansicht nach gebührt. (ass)
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