Guter Eindruck für Frau Merkel

Politik und Tarifstreit sind unterschiedliche Paar Stiefel. Das stellte Horst Ott von der IG Metall am Donnerstag klar. Bild: Steinbacher

Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, versichert Gewerkschafter Horst Ott: Ausgerechnet wenn die Bundeskanzlerin am Montag das Siemens-Werk besucht, ist die Belegschaft zum Streik aufgerufen.

Wenige Stunden bevor Angela Merkel ihren Rundgang durch die Fabrikhallen startet, beginnt das große Warnstreikfest der IG Metall im Kongresszentrum. "Ich gehe davon aus, dass auch viele Siemens-Mitarbeiter daran teilnehmen", erklärte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Horst Ott, am Donnerstag. Mit der Zusammenkunft sämtlicher Streikender aus der nördlichen Oberpfalz will die Gewerkschaft am Montag die zweite Welle der Arbeitsniederlegungen abschließen.

Keine Konfrontation

"Die Termine stehen nicht in Zusammenhang", betonte Ott. "Das wäre ja auch kontraproduktiv." Der Tarifstreit sei eine Auseinandersetzung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die Politik bleibe da außen vor. Ott: "Ich begrüße außerordentlich, dass die Bundeskanzlerin kommt, dass sie in die Betriebe reingeht. Ich werde einen Teufel tun und das boykottieren."

Genau so sieht es Volker Jung, Betriebsratschef des Siemens-Standorts. "Politik und Tarifstreit - das sind zwei verschiedene Dinge", unterstrich er auf Nachfrage der AZ. "Wenn sich Kollegen an dem Streik beteiligen, dann legen sie bestimmt nicht wegen der Kanzlerin die Arbeit nieder." Er selbst werde um 11 Uhr an der Streikveranstaltung im ACC teilnehmen und anschließend, gegen 14.30 Uhr, den Rundgang der Kanzlerin verfolgen - aus der zweiten Reihe. Er schaue von der Galerie aus zu, wenn sich Merkel die Halle 5 zeigen lässt.

Auch für den Betriebsratschef ist der Besuch der Kanzlerin im Elektronikwerk (EWA) ein Zeichen der Wertschätzung - "gegenüber allen Mitarbeitern." So interpretiert er auch den Wunsch der Regierungschefin, mit dem Personal in der Fertigung sprechen zu wollen. Ein Treffen mit dem Betriebsrat sei zwar nicht vorgesehen, allerdings beabsichtige Merkel, sich kurz mit den Menschen an den Maschinen auszutauschen.

Ritterschlag für Büttner

Jung freut sich auch noch über einen anderen Aspekt des Besuches. Es sei eine "glückliche Fügung", dass die Visite in die letzten Arbeitstage von Werksleiter Dr. Karl-Heinz Büttner falle. Büttner geht Ende des Monats in den Ruhestand. "Das ist schon ein Ritterschlag für ihn, ein krönender Abschluss seiner Karriere." Durch die geplante Visite der Kanzlerin sei das EWA bereits jetzt in den Fokus der bundesweiten Öffentlichkeit gerückt. "Das wirkt sich positiv aus", zeigt sich Jung überzeugt.
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