Haft nach bizarren Sex-Spielen

Er suchte sich seine Opfer über das Internet. Was der 28-Jährige dann von den minderjährigen Mädchen unter erpresserischen Drohungen verlangte, waren sexuelle Handlungen der unbeschreiblichsten Art. Dafür muss der Mann aus dem Kreis Schwandorf jetzt fast fünf Jahre hinter Gitter.

Es begann 2012 und endete erst nahezu drei Jahre später. Der junge Mann, wiederholt von der Justiz wegen des Besitzes umfangreicher kinderpornografischer Dateien geahndet, ging seinen auf Mädchen im Kindesalter ausgerichteten sexuellen Neigungen nach und setzte sich an den Computer. Das geschah im Haus seiner Eltern und in der Wohnung seiner Freundin. Die war ahnungslos und erfuhr erst viel später davon.

Der heute 28-Jährige suchte per Chat im Internet Kontakt zu 12- und 13-jährigen Schülerinnen. Anfangs gab er sich als Mädchen aus, begann mit netten Konversationen, stellte unverfängliche Fragen. Irgendwann kam Skype ins Spiel. Als dieser Punkt des dann visuell möglichen Beobachtens erreicht war, saßen die Opfer bereits in der erpresserischen Falle.

Dann noch gedroht

Zunächst waren den offenbar im ganzen Bundesgebiet angesiedelten Mädchen sogenannte "Coins" als Belohnung in Aussicht gestellt worden. Sie sollten sich teilweise entkleiden und betrachten lassen. Dann überschritt der Mann in seinen herrisch gestellten Forderungen Grenzen, wurde ihm von den Skype-Partnerinnen großteils mitgeteilt, dass sie da nicht mitmachen würden. Worauf die Drohung folgte: "Dann stelle ich Bilder ins Internet."

Was folgte, führte tief hinab in den Keller des sexuellen Missbrauchs. Die Opfer mussten sich ihm entblößt zeigen, nackt unter Duschen stellen und mitunter Gürtel holen, um sich zu würgen. Es gab noch weitaus abartigere Forderungen, die unter Druck ausgeführt wurden. Manchen wurde bei Weigerungen in Aussicht gestellt: "Dann sperre ich deinen PC."

In seiner Anklageschrift listete Staatsanwalt Stefan Schneider zehn dieser visuellen Sexual-Angriffe auf. In einer weiteren Anschuldigung ging es um nahezu 50 000 kinderpornografische Dateien, die Amberger Kripofahnder bei dem Mann bei einer Hausdurchsuchung sicherstellten.

Als die Ermittlungsergebnisse vom Staatsanwalt dem Amberger Schöffengericht mitgeteilt worden waren, schlossen sich die Türen des Sitzungssaals. Über seinen Verteidiger Michael Haitzmann (Regensburg) stellte der 28-Jährige erfolgreich den Antrag, Zuhörer während seiner Vernehmung und während der Erstattung eines psychiatrischen Gutachtens auszuschließen. "Das öffentliche Interesse überwiegt hier nicht", begründete Richter Markus Sand die Entscheidung. So blieb großteils offen, welche Beweggründe den jungen Mann immer wieder dazu trieben, seine abartigen Spiele anzuzetteln.

Geständnis strafmildernd

Auch die Plädoyers wurden nichtöffentlich gehalten. Zum Urteil aber ließ der Richter die Saaltüren wieder aufsperren. Die Entscheidung traf den Angeklagten wie ein Keulenschlag: Er muss vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. "Nur sein Geständnis hat ihn vor noch höherer Strafe bewahrt", sagte Richter Sand und empfahl dem 28-Jährigen dringend, sich therapeutisch behandeln zu lassen. In das Urteil wurde eine Ahndung von sechs Monaten einbezogen, die der im nördlichen Landkreis wohnende Mann wegen des Besitzes von Kinderpornografie im Vorjahr erhalten hatte. Weil er geständig war, musste keines der Opfer vor dem Gericht aussagen. (Seite 6)
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