Haftstrafe verdreifacht

Er versetzte seine Opfer in den Tiefschlaf und missbrauchte sie. Sein Pech war, dass sich ihm eine engagierte Staatsanwältin in den Weg stellte. Sie wollte ein Ersturteil von drei Jahren nicht akzeptieren, ging zum Bundesgerichtshof und erreichte in einer Neuauflage der Verhandlung die Verdreifachung der Strafe.

Der 35-Jährige aus Schwandorf verschanzte sich hinter Verharmlosungen seiner Verbrechen. Doch es half dem ehemaligen IT-Fachmann wenig. Denn die Staatsanwältin Michaela Frauendorfer ruhte nicht.

Als die Justiz den Mann 2014 zu drei Jahren verurteilt hatte und das nur wegen gefährlicher Körperverletzung tat, wandte sie sich an die oberste Instanz und bekam Recht. Denn die sexuellen Übergriffe des ständig nach Frauenbekanntschaften suchenden Schwandorfers waren - auch zum ungläubigen Staunen des Bundesgerichtshofs - ungesühnt geblieben.

An vier Verhandlungstagen wurden die üblen Geschehnisse nun vor dem Amberger Landgericht neu aufgerollt. Dabei standen drei Fälle zur Debatte. Die Dunkelziffer dürfte vermutlich viel höher gewesen sein. Der 35-Jährige verabreichte seinen Opfern größere Mengen des Beruhigungsmitteln Diazepam und verging sich an ihnen, als sie wehr- und willenlos auf Betten lagen. Zweimal filmte er mit dem Handy, wie seine rechte Hand die weitgehend unbekleideten Frauen betastete und begrapschte.

Zweifel bei Richtern

Beim ersten Verfahren gelangten die Amberger Richter zu der Auffassung, dass zwar eine gefährliche Körperverletzung durch die Beruhigungstabletten vorlag. Sie hielten es allerdings für nicht zweifelsfrei geklärt, ob die jungen Frauen nicht doch vorher in diese Form von Sex eingewilligt hatten. Von daher sprachen sie ihn frei vom Vorwurf der Vergewaltigung und des Missbrauchs wehrloser Opfer. Solche Argumente verwies der BGH in den Bereich der Fabel. Die 4. Strafkammer des Amberger Landgerichts, mit anderen Juristen als beim ersten Verfahren besetzt, schloss sich dieser Meinung jetzt an.

Das Urteil traf den 35-Jährigen ("Ich habe sie nicht missbraucht") wie ein Keulenschlag. Er muss acht Jahre und neun Monate hinter Gitter. Ein sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von insgesamt 9000 Euro, den er erst zahlte, als es eng für ihn wurde, half ihm nichts.

Staatsanwältin Frauendorfer hatte zehn Jahre gefordert. "Dreieinhalb Jahre reichen", hielt Verteidiger Michael Haizmann dagegen. Nun wird er wohl in die Revision gehen. Doch die Aussichten auf Erfolg stehen eher schlecht. Denn eine völlige Neufassung des Urteils mit höherem Strafmaß hatte der Bundesgerichtshof bereits angedeutet. In den jetzigen Richterspruch wurde eine Vorstrafe von sieben Monaten einbezogen. Sie wurde wegen des Besitzes von Kinderpornografie verhängt.
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