Hahn im Korb der Elemente

Das Element Erde hat Künstler Manfred Raumberger als Frauenfigur dargestellt, die schützend die Hand über ihr Kind hält. Bild: Hartl

Die vier Elemente sind in der Geschichte der Kunst ein beliebtes Thema - die Darstellungen sind dabei traditionell weiblich. In Amberg aber gibt es ein Beispiel, in dem sich klammheimlich ein Mann eingeschlichen hat.

Nicht nur wegen dieses "Gags", den der Künstler Manfred Raumberger hier eingebaut hat, gehört der Vier-Elemente-Brunnen vor dem Gebäude der Stadtwerke am Schießstätteweg zu den Kultur-Schätzen, die Stadtheimatpflegerin Beate Wolters heuer für den AZ-Adventskalender ausgesucht hat. Raumbergers Brunnen stehe in der Tradition, die Elemente als Personen darzustellen, erläutert sie. "Bei genauem Hinsehen allerdings stutzt man: Da ist ein Mann dabei."

Wasser, Luft, Erde, Feuer

"Drei wohlgestaltete Frauen verkörpern Wasser, Luft und Erde, der Mann aber, stehend, darf das Feuer symbolisieren", erläutert die Stadtheimatpflegerin: "Gleichberechtigung hat unser Raumberger zwar nicht ganz geschafft, aber einen Herren hat er doch in die Frauendomäne eingeschmuggelt. Ein altes Schlitzohr! So sieht also Gleichberechtigung 1991 aus." Damals wurde der Brunnen im Auftrag der Stadtwerke vor deren neuem Verwaltungsgebäude aufgestellt.

Die vier Figuren können laut Wolters "als ein Bewegungsablauf" aufgefasst werden: "Die blockhafte ,Erde', die sich schützend über ihr Kind beugt, bildet den Anfang. Ganz gerade sitzt das ,Wasser' auf seinem Granitsockel, während die ,Luft' in einer Aufwärtsbewegung erstarrt ist, die das ,Feuer', stehend, mit nach oben gesteckten Armen, vollenden darf." Dabei seien die vier von unterschiedlichen Ansichten zu sehen: "Ihre Figuren sind so auf den Granitsockeln angebracht, dass sie sich jeweils frontal, im Profil, und leicht schräg darbieten."

Der genaue Blick offenbare dazu noch eine reiche Ausgestaltung mit Tieren, die den Elementen zugeordnet werden: "Im unteren Bereich der Erdfrau ist eine Blume eingearbeitet, ein Hündchen will an ihr hochspringen. Zwischen den Beinen der Wasserfrau sitzt ein Frosch, während im hinteren Block ein Fisch erkennbar wird. Wunderschön gehen die Haare der Luftfrau in zwei Vöglein über, ein drittes sitzt in ihrer Hand."

Mit Augenzwinkern

Und dann ist da natürlich noch der Feuermann: "Er nimmt mit dem Hahn die Redewendung des Roten Hahnes fürs Feuer auf", interpretiert Wolters - und ergänzt: "Wer den Künstler Manfred Raumberger kannte, kann aber sicher sein, dass er augenzwinkernd den Feuermann als Hahn im Korb gesehen hat."

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Der AZ-Adventskalender im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/azadventskalender2014
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