Handwerkers Künstlerhand

Kirchenmaler arbeiten nicht nur in Gotteshäusern. Auch am Landgericht (im Bild der Schwurgerichtssaal) sorgten sie mit Arbeiten an Putz und Stuck für ein perfektes Erscheinungsbild. Bilder: Steinbacher (2)

Eigentlich präsentieren Bauherren und Architekten ein fertiges Gebäude. Beim Landgericht an der Regierungsstraße wurde eine Ausnahme gemacht: Hier stellten sich die Handwerker einmal selbst ins Rampenlicht und erklärten, warum diese Baustelle für sie drei Jahre lang etwas Besonderes war.

Der Komplex wurde zwischen 1544 und 1547 erbaut und ist das älteste Justizgebäude in Bayern. Mit Start der Sanierung traten viele statische Schäden ans Tageslicht, die auf den ersten Blick nicht erkennbar waren. "Für Außenstehende ist es oft schwierig nachzuvollziehen, warum ein Gerüst so lange steht", sagte Kirchenmaler Matthias Ehmann, der für die Restaurierung verantwortlich war, die insgesamt 1,2 Millionen Euro verschlang. Der Kirchenmaler an sich sei zuständig für das letzte Gewerk und die Optik.

Mit Dientzenhofer-Stuck

Zwischen zehn und 15 Mann waren hierfür täglich von Form & Farbe Ehmann aus Fürth im Einsatz. Die Firma ist der bayernweit zweitgrößte Handwerksbetrieb für Restaurierung und Kirchenmalerei und hat derzeit 60 Angestellte. Begonnen wurde mit der Aufnahme der desolaten Putze und Stuckierungen. Im Vorzimmer des Landgerichtspräsidenten restaurierten die Handwerker behutsam ein historisch wertvolles Kleinod: eine Dientzenhofer-Stuckdecke. "Die Herausforderung lag für uns als Handwerker darin, die Handschrift des Künstlers nachzuvollziehen", sagte Ehmann am Freitag. Dort, wo das Original bereits von der Decke gekommen war, musste nachgegossen werden. Im Schwurgerichtssaal halten Kohlefasern und Hanfdübel die Decke an Ort und Stelle.

Nach originalem Vorbild

Vor allem die historische Stuckfassade stellte die Handwerker vor eine besondere Herausforderung: "Wir haben sie komplett rekonstruiert - alles nach historischem Original." Etwa 1500 Quadratmeter groß ist die gesamte Außenfläche. Putz, Stuck und Malerarbeiten lagen komplett in einer Hand. "Und wir haben sie mit viel Liebe zum Detail hergerichtet", fügte Stuckateurmeister und Projektleiter Patrick Kledtke hinzu. "Solche Baustellen wünscht man sich öfter", sparte der Firmenchef Ehmann nicht an Lob für das perfekte Zusammenspiel mit Bauleiter Armin Keck vom Amberger Architekturbüro Zunner. Er betonte: "Das hält mindestens die nächsten 40 Jahre."

Der Schritt an die Öffentlichkeit soll gleichzeitig eine Werbung für den Beruf des Kirchenmalers sein, sagte Matthias Ehmann. Rainer Ruffertshöfer von der Firma Keimfarben, weltweit führender Hersteller von Silikatfarben, die für das Landgericht verwendet wurden, betonte, dass das Handwerk dazu gezwungen sei, neue Wege zu gehen, um Nachwuchs zu gewinnen. "Irgendetwas müssen wir tun", sagte der Maler- und Lackierermeister, "denn unser Beruf besteht nicht darin, eine Rolle in einen Farbeimer zu tauchen".
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