Hans Well und die Wellbappn treten beim ersten Abend des Sommerfestivals auf
Außen brav und innen bös

Wehender Wind und stürmischer Schlussapplaus: Hans Well und die Wellbappn bestritten den ersten Abend des Sommerfestivals im vollbesetzten Innenhof der Stadtbibliothek. Bild: Steinbacher
Spritzig, witzig und bissig war dieser Einstieg ins Sommerfestival. Mit Spott, Spiel, Gstanzln und Gesang begeisterten Hans Well und die Wellbappn das Publikum im vollbesetzten Innenhof der Stadtbibliothek. "Also, grüß Gott beianand", sagt Hans Well und grinst um "38 nach acht" von der Bühne, auf der zwischen sechs Mikrofonen und unzähligen Instrumenten seine Kinder Sarah und Tabea stehen und ganz außen Sebastian Gröller, ein Trompeter aus dem Bayerischen Wald.

Er ist Ersatz für Sohn Jonas. "Der hat's Abitur gemacht und gleich danach die Fliege", erläutert FamilienBoss Hans. Natürlich hält er das Heft in der Hand bei diesem Programm, das deutlich seine Handschrift trägt. Er hat ja jahrelange Erfahrung mit der Biermösl Blosn und Lebenserfahrung hat er auch schon genug gesammelt, der quicklebendige Graukopf, der aber schon auch mal einen Texthänger hat.

Hauptsache, er weiß, wie er sich mit mehr oder weniger guten Reimen schnell in die Herzen der Zuhörer schmeichelt. Mit einem Streifzug durch Amberg startet er: "Heut samma in Deutschlands beliebtester Stadt, die den Titel trotz ihrer Bewohner gewonnen hat - wo se die SPD zur dritten Bürgermeisterin mausert und die Sparkasse mit Spenden knausert" Erstaunlich gut hat er sich informiert über Stadtpolitik und Forum, Fußball und Luftmuseum. In bester Ex-Biermösl-Manier geizt er nicht mit beißender Kritik und scharfsinniger Analyse.

Bayern und die Welt, überall sind Hans Well und die Wellbappn dahoam. Überall punkten sie mit Wort, Witz und Musik. Sie wechseln ihre Instrumente, wie der "Horst" seine Meinung. "Was der Horst verspricht, das wird 100 Prozent gehalten - außer er halts nicht!" Oder: "Einmal ja, dann wieder nein - der Seehofer kunnt fast a Zwillingsbruada vom Zipras sei", scherzen sie. Ob "Jodling Song" oder das "besonders klägliche Klagelied" von einem Schwaben, der 24 Millionen vergessen hat, ob das "Jahrhundertprojekt Maut" oder die üppigen Fleischtöpfe für ausrangierte Politiker: Die Texte stechen mitten hinein ins Lirum-Larum-Vakuum-Wespennest - immer komisch und voller bitterböser Seitenhiebe.

Auf hohem musikalischen Niveau spielen sie Geige, Bratsche, Gitarre, Bass, Trompete, Tuba, Akkordeon und Mandoline, Csardas, Sirtaki oder gregorianischer Choral vom Dirridarri Grexit - alles kein Problem! Die Mischung aus Musik, Kabarett, Satire und Hans Wells' lockeren Plaudereien stimmt immer. Zusätzlichen frischen Schwung bringt die Jugend.

Das Quartett widmet sich auch heimatlichen Besonderheiten wie "Pfingsten dahoam": "Schau, schau wias renga tuat, schau wias giaßt und das Wasser ums Bierzelt von der Feuerwehr schiaßt". Beim Sommerfestival-Abend hat es nicht gegossen, nur der Wind wehte. Aber auch der war schließlich ganz zahm beim Gute-Nacht-Lied mit dem Wunsch "Immer wachsam bleiben." Stürmisch hingegen war der Schlussapplaus.
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