Hauptpreis für das Argonnen-Projekt des Beruflichen Schulzentrums Amberg
Ein Preis und viele Fragen

Die Erfahrung aus dem Argonnen-Projekt lautet: Wenn man miteinander Holzgabionen flicht und dabei schwitzt und sich dreckig macht, fragt bald keiner mehr, wer hier Deutscher ist (die fünf jungen Damen) und wer Franzose (Gabi Oudea, rechts, der im Moreau-Lager für die historische und originalgetreue Restaurierung verantwortlich ist). Bild: hfz

Das Argonnen-Projekt des Beruflichen Schulzentrums Amberg hat beim Schülerlandeswettbewerb "Erinnerungszeichen: Bayern und der 1. Weltkrieg" einen Hauptpreis gewonnen. Warum genau, wollen aber die Organisatoren noch nicht verraten.

Das Team um Initiator Daniel Hagn freut sich schon auf die Preisverleihung am 14. Juli im Senatssaal des Landtags. Das Kultusministerium hat dazu sieben Teilnehmer und zwei Begleitpersonen nach München eingeladen.

Was die Jury am Argonnen-Projekt besonders schätzte und was die Amberger - jenseits der viel Raum für Fantasie lassenden Einstufung "Hauptpreis" - genau gewonnen haben, wollte Armin Heigl von der Landeswettbewerbsleitung aber auf AZ-Nachfrage nicht preisgeben: "Aus Gründen der Gleichbehandlung aller Preisträger" würden Einzelheiten erst am 14. Juli bekanntgegeben.

Ein großes Plus der Amberger Initiative macht aber bereits ein Blick in die Ausschreibung des Wettbewerbs deutlich. "Binationale Projekte zwischen bayerischen und internationalen, insbesondere französischen Partnerschulen werden besonders begrüßt", heißt es dort. Und davon gibt es in Bayern nicht viele, schon gar nicht so ambitionierte wie das Argonnen-Projekt, das seit 2010 jedes Jahr Oberpfälzer Jugendliche mit Schülern und Geschichtsvereins-Mitgliedern aus Frankreich zusammenbringt, um deutsche oder französische Ruhelager aus dem Ersten Weltkrieg zu restaurieren. Dazu geht es eine Woche lang in die Argonnen, ein Gebiet westlich von Verdun, in dem die Kämpfe zwischen 1914 und 1918 mehr Todesopfer forderten als an jedem anderen Frontabschnitt.

Eine Rolle dürften bei der Preisvergabe auch die Eindrücke gespielt haben, die Teilnehmer des Projekts schilderten, zum Beispiel:

Hannah Wittmann

"Ich habe für mich festgestellt: Nicht die mangelnden Fremdsprachenkenntnisse sind die große Barriere zwischen den Völkern, die größere Barriere befindet sich in unseren Köpfen. [...] Auch bin ich bisher immer mit der Einstellung durch das Leben gegangen, 'die Franzosen' können uns nicht leiden, ja vielleicht hassen sie uns sogar, was aufgrund der Geschichte auch verständlich wäre. Aber ich wurde durch die Arbeiten im Moreau-Lager eines Besseren belehrt. Keine Spur von nicht leiden können, im Gegenteil: Aufeinander zugehen, Freundlichkeit, Verständnis und gegenseitiger Respekt."

Daniel Holfelder

Er berichtet über ein Gespräch mit dem Franzosen Michel: "Ich erfuhr, wie schwer es seine Eltern nach dem 1. Weltkrieg hatten, wieder auf ihrem Hof Fuß zu fassen. Der Hof war zerstört, die Felder verwüstet, die Tiere getötet. Der Hass auf die Deutschen und auf den Krieg war groß. Aber vor allem der Kriegsgefangene zeigte ihnen, dass auch er den Krieg hasste und auch er lieber zu Hause auf seinem Hof geblieben wäre als in den Krieg zu ziehen. Michel erzählte mir, dass er im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte und furchtbare Angst hatte, nicht mehr nach Hause zu kommen. Er erkannte, dass beide Seiten, egal ob Franzosen oder Deutsche, den Krieg hassten und Angst hatten zu sterben."

Jonas Stauber

Sein Urgroßvater hatte bei Verdun gekämpft und war wieder nach Hause zurückgekehrt. "Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 14 Tagen im Kampfgebiet rund um Verdun hatte er sehr großes Glück. Jedoch litt er sein ganzes Leben lang unter den psychischen Nachwirkungen des Krieges. Heute würde man diesen Soldaten wohl die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ausstellen."

Jonas Stauber hatte dem Text zwei Fotos beigelegt: eines von seinem Großvater als Soldat 1941 vor dem Gebeinhaus von Douaumont (eine Gedenkstätte mit den nicht mehr zuzuordnenden Knochen der bei Verdun Gefallenen) und eines von sich selbst an derselben Stelle, 73 Jahre später, aufgenommen während der Argonnen-Projektwoche.

Auch mit dem Preis für Amberg schließt sich ein Kreis, denn bereits die Broschüre, die für den Wettbewerb warb, enthielt ein Foto von hier. Es zeigt, wie Soldaten am 7. August 1914 vom Amberger Bahnhof an die Front aufbrechen. (Hintergrund)
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