Hauptrolle für Hoch Annelie

Der König muss angezogen werden - kein leichtes Unterfangen für die Dienerschaft. Bild: Steinbacher
 
Die freie, von Winfried Steinl geleitete Theatergruppe Rampenfieber ist im Proben-Endspurt "Leonce und Lena": Aufgeführt wird das von Georg Büchner verfasste Stück im Innenhof des Landgerichts. (Bild: Steinbacher)

Puh, 29 Grad ist ganz schön warm. Und das kurz nach 20 Uhr. Gegen einen lauen Sommerabend ist nichts einzuwenden. Zum Beispiel auf der Terrasse oder im Biergarten. Aber doch nicht auf der Bühne. Im Innenhof des Landgerichts probt Rampenfieber - und Hoch Annelie hat eine Hauptrolle.

Winfried Steinl besteht darauf, dass in Kostümen geprobt wird. "Bei der Hitze?", fragt einer der Darsteller ungläubig. Der Regisseur ist unerbittlich. Ja, das muss sein. Unermüdlich treibt er die Akteure auf die Bühne und verkündet: "Wir proben die König-Anzieh-Szene."

Peter, der Regent des Königreichs Popo, und seine Dienerschaft machen sich bereit. "Warum bin ich eigentlich hier und nicht auf dem Berg?", fragt sich einer der Lakaien. Eine frische Maß Bier, ein schattiges Plätzchen unter Bäumen - ja, so wär's jetzt recht!

Bademantel und Schärpe

Stattdessen müssen er und sein Kollege auf die schiefe Ebene und den König bedienen. Der trägt einen Frottee-Bademantel und einen Schuh. Den anderen streift ihm ein Diener über. Schnell werfen die Lakaien ihm ein Schal als Schärpe über den Kopf.

Eine Gardinen-Kordel mit Quasten an Enden hält den Bademantel zusammen. "L'état c'est", stammelt König Peter. Nach dreimaliger Wiederholung hört es sich an wie "Tasse" - und die schleppt pflichtschuldigst der Diener ran.

Leoce im Doppelpack

Winfried Steinl ist zufrieden mit der Szene. Die Akteure treten wieder ab, gruppieren sich allesamt um die Tische, die im Landgerichts-Innenhof stehen. Noch gut eine Woche ist es bis zur Premiere von "Leonce und Lena". Jetzt geht es um ganz banale Fragen. Zum Beispiel, wer Zeit hat, im Baumarkt einen Teppich zu besorgen - morgens um acht. Zaghaft heben sich ein paar Finger. Winfried Steinl zählt durch. Vier Helfer, passt! Kopfzerbrechen bereitet ihm eher eine andere Frage: "Wo parke ich beim Obi mit dem Anhänger?" Alex Röckl, einer der beiden Leonces, checkt die Temperaturen auf dem Smartphone. Kurz nach 20 Uhr und immer noch knapp 30 Grad.

Drei Darsteller schnappen sich ihre Instrumente und gehen in den zweiten Innenhof des Landgerichts. "Hey, wo wollt ihr hin?", fragt der Regisseur verdutzt. "Wir wollten den Tango üben", antwortet die Musikerin und zieht mit den Kollegen von dannen. Winfried Steinl schickt Jürgen Huber und Alex Röckl, die beiden Leonces, samt deren arbeitsscheuen Diener Valerio (Andreas Guck) auf die Bühne. Der Staatsrat trottet hinterher.

Und Rampenfieber wäre nicht Rampenfieber, wenn das Ensemble nicht seine eigene Interpretation in Büchners Lustspiel mit einfließen ließe - zum Beispiel, dass es Leonce gleich zwei Mal auf der Bühne gibt. Einer, der den aktiven Charakter des heiratsunwilligen Prinzen gibt, der andere dessen träge Seite. "Das ist fei tierisch anstrengend, was du von uns verlangst", ruft Jürgen Huber seinem Regisseur zu. Er und der andere Leonce müssen auf einem Bein auf der schrägen Bühne stehen.

Schwitzen in Samtjacken

Wenig später ziehen die beiden Männer ihre Samtjacken aus - Hoch Annelie hat die Proben fest im Griff. Und unten fächelt sich eine Spielerin, die gerade nicht dran ist, mit dem Script Luft zu. Vielleicht bleibt ja der Hochsommer und Annelie spielt auch bei den Aufführungen mit ... .
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