Heilige Messe auf einem Koffer

Nur selten begegnet man außergewöhnlichen Menschen, die Interessantes zu erzählen haben. Auf jemanden, der tagtäglich Anderen hilft, nach eigener Aussage schon 150 Mal an Malaria erkrankt und "immer noch nicht krepiert" ist, trifft dies zu.

So einen Gast stellte der Schulleiter des Gregor-Mendel-Gymnasiums, Peter Wellnhofer, den Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufe vor - Pater Hermann Schulz. Der Geistliche baute eine Station und eine Schule für hilfsbedürftige Kinder in Ruanda auf und war gekommen, um den Schülern von seinen Erfahrungen zu berichten.

Zu Beginn erzählte Pater Schulz einige Fakten aus seiner Biografie. Sehr stark sei er vom Zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen Flucht geprägt worden. Zum Einstieg in das Thema, zeigte der Redner einen kurzen Film über Ruanda. Der Pater berichtete, wie er immer wieder erstaunt über die Leute war: "Trotz der großen Armut haben die Menschen dort eine beneidenswerte Heiterkeit." Pater Hermann Schulz stellte die unmenschlichen Verhältnisse, Ausbeutung und Verfolgung so dar, dass seine Geschichten vielen Schülern unter die Haut gingen.

Der Geistliche erläuterte, wie er vor 36 Jahren nach Ruanda kam und in der ganzen Siedlung kein Tisch zu finden war: "Dann habe ich mich auf meinen Rucksack gesetzt, meinen Koffer vor mir hingestellt und auf dem die Heilige Messe gefeiert." Auch erlebte er von Anfang an oft genug, was es heißt, ohne jegliche Grundversorgung auskommen zu müssen: "Ich habe verstanden: wenn du diesen Menschen von Gott erzählen willst, musst du ihnen in ihrem Leben helfen; sonst redest du an ihnen vorbei."

Der bewegendste Teil des Vortrages war für viele Schüler die Schilderung des grausamen Völkermordes, den der Geistliche 1994 miterleben musste, bei dem in 100 Tagen eine Million Menschen wegen ihrer Stammeszugehörigkeit getötet wurden. Auch berichtete Pater Schulz von der Feigheit und Tatenlosigkeit der westlichen Länder und der Weltorganisationen; von den 5000 Blauhelmsoldaten, die dem Genozid tatenlos zusehen mussten, weil sie den Befehl "Abziehen!" bekommen haben: "Die hätten nicht einmal schießen müssen, es hätte gereicht, wenn sie sich dazwischen gestellt hätten."

Der Pater ging auf die Ursprünge der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents in der Kolonialzeit ein und rief dazu auf, die jetzige Situation "nicht einfach so hinzunehmen". Schließlich spendete jeder Anwesende einen kleinen Betrag für die Hilfsprojekte vom Pater Hermann Schulz.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.