Heimat geht durch den Magen

Gutes Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen und schaffen regionale Identität: Deshalb plädieren (von links) Casino-Wirt Hans Graf, die Grünen-Politiker Gisela Sengl, Jürgen Mistol und Stefan Schmidt ebenso wie Isabell Lautenschlager (Öko-Modellregion) für mehr biologische Nahrungsmittelprodukion und eine bewusstere Ernährung. Bild: Huber

Nicht nur in der Landtagskantine ist bisher die CSU für strahlend weiß-blauen Himmel und die SPD für nichts Gutes verheißende Abendröte zuständig. Jetzt machen sich auch die Grünen auf die Suche nach einem Heimat-Wohlfühl-Index.

Was viele freuen dürfte, sie werden sogar außerhalb der oberbayerischen Postkarten-Klischeeidyllen fündig. Und zwar jeweils genau dort, wo die Menschen leben und arbeiten. Um sich rundum wohlzufühlen, braucht es natürlich auch gutes Essen und Trinken. "Heimat hat oft viel mit regionaler Küche zu tun", griff in abgewandelter Form am Freitag die agrarpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gisela Sengl, die Volksweisheit auf, dass es daheim halt am besten schmeckt.

Zusammen mit ihrem Oberpfälzer Mandatskollegen Jürgen Mistol und dem Bezirksvorsitzenden Stefan Schmidt (beide Regensburg) war die Abgeordnete für zwei Tage in der Oberpfalz unterwegs, um für mehr Regionalisierung in der Nahrungsmittel-Produktion und einen bewussteren Umgang mit der Ernährung zu werben. Damit war das Grünen-Trio schnell bei der bäuerlichen Landwirtschaft, gängigen Essensgewohnheiten und der Gastronomie angelangt.

Also kehrten sie auf ihrer Oberpfalz-Tour nach einem Besuch der Neumarkter Lammsbräu-Brauerei, die mit ihrer nachhaltigen und ökologisch ausgerichteten Produktion seit Jahrzehnten auf der Erfolgsspur punktet, bei Casino-Wirt Hans Graf ein. Dort schmeckte es offenbar so gut, dass die Pressekonferenz etwas nach hinten verschoben werden musste.

Der Bedarf ist da

Aber nach dem Espresso wurde der Gastronom ohne Umschweife deutlich: Er wolle seinen Gästen aus Überzeugung eine bodenständige, regionale und saisonal ausgerichtete Küche zu annehmbaren Preisen bieten. "Doch ich komme nicht an genügend wirklich gutes Fleisch heran", schilderte er eines seiner Probleme. Ware aus Turbo-Mastbetrieben wage er nicht, aufzutischen. Das sei er dem von ihm vertretenen Gastronomen-Ethos schuldig. Bei Sengl rennt der Koch und Wirt mit solchen Sätzen Scheunentore ein. Agrarindustrielle Produktionsformen sind ihr nicht nur aus Tierschutz-Gründen ein Gräuel. Aus landwirtschafts-, aber auch gesundheitspolitischen Erwägungen sind ihrer Ansicht nach hier klare Schranken geboten. Bayerns bäuerliche Landwirtschaft sei in ihren althergebrachten, gewachsenen Strukturen nicht auf derartige Großbetriebe und deren Produktionsgebaren ausgerichtet, warnt die Grünen-Politikerin.

Deshalb läuft aus ihrer Sicht viel schief bei der Beratung durch die Landwirtschaftsämter, den Bauernverband oder die Lobby der Nahrungsmittel- sowie Zulieferindustrie der Agrarwirtschaft. Der aktuelle Milchpreisverfall sei das beste Beispiels für derartige Fehlentwicklungen. Um die 28 Cent würden derzeit nur noch für einen Liter konventionell erzeugter Milch gezahlt, rund 48 Cent für Biomilch. Dennoch könne in Bayern die Nachfrage nach Biomilch nur zu knapp 70 Prozent aus eigener Produktion gedeckt werden.

Durchaus erschwinglich

Das Preisargument zieht für Graf nicht. Trotz höherer Kosten für einen ökologisch produzierten Wareneinsatz, müssten die Preise auf der Speisekarte nicht überproportional steigen. Er sei zufrieden mit seinem Geschäft und verdiene daran. "Sonst würde ich es nicht machen." So eine Haltung wünschten sich die Grünen bei mehr Landwirten.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.