Heiße Fracht aus Rotterdam

Es geht um mehrere Pfund Heroin. Der Mann soll in Rotterdam umfangreiche Rauschgiftgeschäfte gemacht und dabei auch Drogen an eine Dealervereinigung geliefert haben, deren Anführer von Amberg aus operierten. Sie sind bereits abgeurteilt. Nun sitzt der 27-Jährige vor dem Landgericht.

Als niederländische Fahnder am 7. Oktober vergangenen Jahres in Rotterdam zur Hausdurchsuchung bei dem mit internationalem Haftbefehl gesuchten Mann ansetzten, fanden sie in seinem Keller sechs Pfund Heroin. Die Beamten verhafteten ihn und lieferten den 27-Jährigen, der mehrere Pässe besitzt, später an die Staatsanwaltschaft Amberg aus. Sie hatte den Dealer seit langem im Visier.

Denn die Ermittler wussten aus umfangreichen Recherchen: der Mann war der Heroinlieferant für eine Vereinigung von Drogenhändlern, die in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach ihren Sitz hatte. Als gegen diese Männer vor eineinhalb Jahren in Amberg verhandelt wurde, sahen sich die Richter mit Anwälten konfrontiert, die eklatante Pannen während der Nachforschungen geltend machten. Nach vielen Wochen Prozessdauer kam es dennoch zu Verurteilungen. Allerdings längst nicht in einer Höhe, die im Regelfall üblich sind, wenn es um Heroin im Kilogramm-Bereich geht.

Zuerst eine Märchenstunde

Damals schon geisterte der Name des Angeklagten durch den Prozess. Ein Mann, der angeblich in Rotterdam ein Gerüstbaugeschäft mit 15 Arbeitern betrieb. Gerüstbau? Damit hatte der erst lange nach der Verhandlung verhaftete 27-Jährige wohl eher wenig zu tun. Er handelte mit Drogen in großem Stil und geriet dabei irgendwann an die Männer aus Amberg. Als nun die Erste Strafkammer des Landgerichts den Prozess gegen ihn eröffnete, kam es zunächst zu einer Art Märchenstunde.

Was der Mann von sich gab, nahm sich zusammenfassend so aus: "Ich kenne keinen dieser Leute." Zwei Pfund Heroin habe er wohl einmal in einem kurdischen Lokal besorgt und sie dann einem seiner Gerüstbau-Mitarbeiter übergeben. Doch was dieser damit gemacht habe, entziehe sich seiner Kenntnis. Daraus ergab sich ein Denkanstoß, formuliert von Staatsanwalt Tobias Kinzler: "Sie haben ein kleines Kind. Wollen Sie das aufwachsen sehen? Wenn ja, sollten Sie die Wahrheit sagen." Das fruchtete. Was folgte, war ein Geständnis.

Der Angeklagte gab zu, dass er in Düsseldorf mit dabei war, als dort von einem Kurier aus Amberg ein Pfund Heroin abgeholt wurde. Er räumte auch ein, dass er mit in die Oberpfalz kam, als die von ihm besorgte heiße Ware durch einen seiner Mitarbeiter angeliefert wurde. Dabei fungierte er quasi als Vorausfahrer, der auf der Strecke nach Polizeikontrollen Ausschau hielt.

Das SEK griff zu

Noch ein weiteres Mal wurde ein Pfund Heroin von Rotterdam nach Amberg gebracht. "Da war ich selbst nicht dabei", ließ der 27-Jährige erkennen. Damals hatte ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei zugegriffen, als der Plastiksack mit dem weißen Pulver gerade übergeben worden war. Auch über seinen Verdienst an den kriminellen Transaktionen gab der Angeklagte Auskunft. In seine Tasche sollen einmal 1000 und zweimal 3000 Euro gewandert sein. Zwei seiner Mitarbeiter sind zu jeweils fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Männer hatten die Lieferungen über die Grenze gebracht. Einer von ihnen identifizierte später den Angeklagten als seinen Chef, als ihm der damals ermittelnde Oberstaatsanwalt Jürgen Konrad ein Lichtbild vorlegte.

Heute Fortsetzung

In der nun vorliegenden Anklage geht es auch um einen Mann aus Rosenheim, der angeblich immer wieder nach Rotterdam fuhr und dort jeweils 100 Gramm Heroin bei dem 27-Jährigen kaufte. Addiert waren auch das mehrere Pfund. Das Verfahren wurde von der Amberger Staatsanwaltschaft übernommen. Im Prozess beharrte der Dealer nun standhaft darauf: "Diesen Herrn kenne ich nicht." Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. Mit der Aussage des Mannes aus Rosenheim.
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