Heiße Fracht für Frankreich

Die Zivilfahnder stießen auf drei Pakete mit insgesamt 8000 Ecstasy-Tabletten. Das war nach ihren Angaben der bisher größte Aufgriff dieser Rauschgiftart, der jemals an der Grenze zum Nachbarland Tschechien entdeckt wurde. Der Schmuggler aus Frankreich saß jetzt vor dem Landgericht in Amberg.

Die beiden Männer kamen aus Frankreich und wurden, nach nahezu 1000 Kilometern Strecke, von Zivilfahndern aus Waidhaus kontrolliert, als sie am Morgen des 17. Juni dieses Jahres in Richtung Tschechien fuhren. Die Beamten stellten zunächst keine Unregelmäßigkeiten fest und ließen die Franzosen nach ein paar Minuten weiterfahren. Sie hatten von ihnen erfahren, dass das erklärte Reiseziel Prag war und man sich die "Goldene Stadt" gerne einmal zu touristischen Zwecken angeschaut hätte - eine durchaus plausibel klingende Erklärung.

Einige Stunden später waren die Fahnder noch immer im Dienst. Sie fuhren von Wernberg-Köblitz in Richtung Waidhaus und sahen auf der Gegenspur unweit von Vohenstrauß, dass der ihnen bereits bekannte Wagen entgegen kam. Ein wohl sehr kurzer Aufenthalt in Tschechien? Die Beamten schöpften Verdacht, wendeten an der nächsten Ausfahrt und nahmen die Verfolgung auf. Sie endete auf der A 93 bei Nabburg. Mit durchschlagendem Erfolg. Denn sofort stellte sich heraus, dass der Fahrer in Frankreich einen Führerscheinentzug hatte. Am Morgen war noch sein Freund am Steuer gesessen. Dann wurde der Pkw nach Waidhaus gebracht und durchsucht.

Kurierdienst gegen Lohn

Ergebnis: In einer Mulde, die im Regelfall für Bordwerkzeug dient, lagen drei Pakete mit 8000 aus Prag eingeschmuggelten Ecstasy-Tabletten. Beide Franzosen wurden zunächst in U-Haft genommen. Einer kam nach wenigen Tagen frei, nachdem der andere ihn als unwissend bezeichnet und alle Schuld auf sich genommen hatte.

Nun saß der 41-Jährige vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts und gab sich als ein in Frankreich beauftragter Drogenkurier zu erkennen. Namen seiner Hintermänner mochte er nicht nennen. Nur so viel: "Es könnte gefährlich werden für mich, meine Lebensgefährtin und meinen Sohn." Der Bub war heuer im Juli geboren worden. Seine Mutter reiste mit ihm nach Amberg, damit der Vater den Jungen einmal sehen konnte.

Wie lief das Geschäft ab? In Prag hatte der 41-Jährige gelernte Koch die Order, einen Mittelsmann zu treffen und ihm ein geschlossenes Geldkuvert zu übergeben. Dafür bekam er die Ecstasy-Tabletten, verstaute sie im Auto und hoffte auf 2000 Euro Lohn für den Kurierdienst. Bei Nabburg war der Transport beendet. "Dümmer kann man sich nicht anstellen", sagte der jetzt zum Prozess aus Frankreich angereiste Strafverteidiger Olivier Collion.

Vier Polizisten sagten aus. Drei von ihnen kamen von der Inspektion Fahndung in Waidhaus. 8000 Ecstasy-Tabletten auf einen Schlag, so ließen sie erkennen, würden wohl eine Art Sicherstellungs-Rekord auf der internationalen Route Prag-Waidhaus-Nürnberg darstellen. Daran machte Staatsanwalt Oliver Wagner in seinem Plädoyer fest. Wagner würdige zwar das Geständnis, signalisierte aber "keinerlei Mitleid" für einen Mann, "der sich in Gefahr begab und sehr wohl wusste, was er tat".

Daraus ergab sich ein Antrag auf vier Jahre und neun Monate Haft. Die beiden Verteidiger Olivier Collion (Avignon) und Ekkehard Zink (Amberg) setzten sich für eine mildere Strafe ein. Anwalt Zink argumentierte dabei: "Er hat während der U-Haft inzwischen 16 Kilo Gewicht verloren."

Weniger als beantragt

Die Erste Strafkammer blieb in ihrem Urteil unter dem Strafantrag des Staatsanwalts. Sie verhängte drei Jahre und neun Monate Haft. Während des Prozesses war deutlich geworden, dass die sichergestellte Fracht für weite Teile des französischen Rauschgiftmarktes gedacht war. Allerdings ließ sich auch bei der Befragung der Polizeibeamten nicht klären, was eine Ecstasy-Tablette auf dem tschechischen Markt kostet und zu welchem Preis sie dann nach erfolgreichem Schmuggel in Westeuropa gehandelt wird. Bei Crystal Speed hätte es darauf sofort schlüssige Antworten gegeben. (Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.