Hier zählt jede Sekunde

"Drücken ist stark!" Mit einem Aktionstag auf dem Marktplatz macht das Rote Kreuz morgen Werbung für ihre Erste-Hilfe-Kurse. Bild: Steinbacher

Nach einer Minute setzt die Atmung aus, nach drei Minuten sterben Gehirnzellen ab, nach zehn Minuten ist das Gehirn unwiderruflich tot - wer einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, hat schlechte Chancen. Es sei denn, Ersthelfer fassen sich ein Herz. Was zu tun ist, zeigen Erste-Hilfe-Ausbilder am 8. Mai. Ein Datum, das nicht zufällig gewählt wurde.

Tanja Tuchscherer ist Mitarbeiterin des BRK-Kreisverbandes Amberg-Sulzbach und hat in der Region federführend "Drücken ist stark", eine Aktion des BRK-Landesverbandes, betreut. Um das so wichtige Thema Laien-Reanimation ins Blickfeld zu rücken, waren Erste-Hilfe-Ausbilder ehrenamtlich in Betriebe und Behörden gegangen, um deren Mitarbeiter an speziellen Übungspuppen anzuleiten, was im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes zu tun ist.

Auf dem Marktplatz

Zum Auftakt im Januar waren die BRK-Mitarbeiter in die Amberger Zeitung gekommen, der Abschluss von "Drücken ist stark" ist morgen auf dem Marktplatz. Tanja Tuchscherer ist sehr zufrieden mit dem Ablauf der Aktion. "Wir haben ein sehr positives Feedback von den Teilnehmern bekommen", bilanziert sie. Morgen haben nun die Bürger die Gelegenheit, sich über die Laien-Reanimation zu informieren und unter Anleitung selbst auszuprobieren, was zu tun ist, wenn jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet. Dazu werden drei BRK-Mitarbeiter von 11 bis 15 Uhr auf dem Marktplatz in Amberg sein. Mitbringen werden sie drei Phantome, also Übungspuppen, an denen die Reanimation trainiert werden kann.

"Für die Bürger ist das völlig kostenlos", erklärt Tuchscherer. Der 8. Mai als Abschluss von "Drücken ist stark" wurde nicht zufällig gewählt. Es ist der Geburtstag von Henri Dunant, dem Gründer des Roten Kreuzes und somit der Welt-Rot-Kreuz-Tag.

"Drücken ist stark" ist eine Aktion, die auch BRK-Chefarzt Dr. Michael Scherer für enorm wichtig hält. Er verweist auf eine ähnliche Aktion, mit der in Amberg-Sulzbach bereits Ende der 1990er Jahre für die Laien-Reanimation geworben worden war: "Eine Region lernt Leben retten". Damals wie heute war und ist das Ziel, so viele Menschen wie möglich dafür zu gewinnen, dass sie im Ernstfall den Betroffenen reanimieren - und somit sein Leben retten.

Zuletzt beim Führerschein

Der Mediziner aus Sulzbach-Rosenberg erklärt, was bei einem Herzstillstand passiert: Hört das Herz zu schlagen auf, verliert der Mensch das Bewusstsein, ins Gehirn wird kein Blut mehr gepumpt. Ungefähr eine Minute nach dem Herzstillstand setzt die Atmung aus. Spätestens nach drei Minuten sterben Gehirnzellen ab. "Nach zehn Minuten ist der Mensch unwiderruflich tot, eine Wiederbelebung nicht mehr möglich", sagt Scherer und macht damit deutlich, warum die Reanimation durch Laien so wichtig ist. Denn sie sind in der Zeit, die Rettungsdienst und Notarzt für die Fahrt zum Unglücksort brauchen, bereits beim Patienten. Beginnen sie unverzüglich damit, den Patienten wiederzubeleben, steigern sie dessen Überlebenschance signifikant.

Welch entscheidende Rolle der Faktor Zeit spielt, macht Scherer mit einem Ausdruck aus der Medizin deutlich: "Time is brain" - Zeit ist Gehirn. "Je früher Ersthelfer mit der Reanimation beginnen, desto größer ist die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen." Der Wille, anderen zu helfen, ist nach Einschätzung von Dr. Michael Scherer bei den Bürgern sehr groß. Doch viele hätten Angst, im Notfall etwas falsch zu machen. "Man kann nichts falsch machen", betont er. Die meisten Fälle, wo jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, passieren seinen Angaben nach im häuslichen Umfeld, betroffen sind häufig ältere Menschen. "Der junge Sportler, der auf dem Fußballplatz umfällt, ist eher die Ausnahme." Dr. Scherer wünscht sich, Menschen würden alle paar Jahre wieder einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen, um ihr Wissen - gerade auch für die Herz-Lungen-Wiederbelebung - aufzufrischen. Er weiß auch, dass viele Menschen einen solchen Kurs erst einmal belegt haben - als sie den Führerschein machten. "Und das liegt häufig Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zurück."

Aus seiner langjährigen Erfahrung als Notarzt kennt Dr. Scherer einige Beispiele, wo Menschen überlebt haben, weil Laien sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen hatten. Er weiß, wie wertvoll die Zeit ist - Zeit, die im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes entscheidend ist für das Überleben.
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