Hilfe, es ist Schulanfang
Glosse

Eines vorneweg: Gut, dass meine kleine Abc-Schützin noch nicht lesen kann. Also auch das nicht, was hier steht. Es würde sie nur verunsichern, denn eigentlich sollen Mama und Papa ja stark sein, Halt geben und als perfekte Eltern souverän jede Situation meistern. Aber so ist es momentan nicht. Heute ist Schulbeginn, und die Nerven liegen seit Tagen blank. Nicht beim Kind, sondern bei uns.

Wann müssen wir in der Schule sein? Was kommt in den Ranzen? Hält die selbstgebastelte Schultüte der Belastung überhaupt bis zum Klassenzimmer stand? Das sind die kleineren Sorgen. Andere gehen richtig in die Tiefe.

Kürzlich in einem Spielwarengeschäft hörte ich ein Mädchen, geschätzt ebenfalls sechs Jahre alt, doch tatsächlich mit seiner Mama Englisch sprechen. Ganz klar und deutlich kam da ein perfekt formulierter Wunsch nach einer Barbie-Puppe mit pinkfarbenem Kleid und Haarstyling-Set aus seinem Mund. Dann sprach die Kleine Deutsch weiter. Das Kind konnte eine Fremdsprache, und das in dem Alter! Wenn unsere Tochter Lieder im Radio mitsingt, klingt das wie Kauderwelsch und allerhöchstens nach einer Art Fantasie-Englisch.

Zählen kann sie, aber ab und an rutscht ihr dabei doch noch eine falsche Ziffer beim Aufsagen mit rein. Das "J" in ihrem Namen schreibt sie immer wider spiegelverkehrt. Ist sie vielleicht noch nicht bereit für die Schule, gar hinten dran? Wie wird das überhaupt alles werden? Die Fragen quälen, aber es gibt kein Zurück mehr. Heute beginnt der Ernst des Lebens - und unsere Tochter freut sich sehr darauf. Angeblich viele andere Kinder auch. Wie kann das sein? Nimmt denn hier niemand Rücksicht auf die verängstigten Eltern? Zum Glück kann sie das noch nicht lesen.

markus.bleisteiner@derneuetag.de

Nachgefragt

Soldaten bereit als "helfende Hände"

Amberg. (san) Unter dem Begriff "helfende Hände" steht die Bundeswehr für die Flüchtlingshilfe parat. Bayernweit sind 300 Soldaten (je 150 der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall und der Panzerbrigade 12 Oberpfalz in Amberg) in Rufbereitschaft versetzt worden. Würde von ziviler Seite die Hilfe der Bundeswehr beantragt, könnten die Soldaten eingesetzt werden, um mit anzupacken. "Die Aufgaben richten sich nach dem Bedarf, von Betten aufstellen bis Essen ausgeben", so Oberstleutnant Carsten Spiering, Pressesprecher des Landeskommandos Bayern.
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