Hilfeschrei von der Anklagebank

Der junge Mann ging in die Offensive. Als ihm der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung gemacht werden sollte, räumte er ein, mit einer Flasche auf den Kopf eines Kontrahenten eingeschlagen zu haben.

Dann aber schilderte der 22-Jährige seinen persönlichen Werdegang und machte deutlich, dass er dringend der Begutachtung durch einen Psychiater bedürfe. Was sich im Mai 2014 vor einem Lokal in Auerbach abspielte, war relativ klar. Jetzt kam es zum Prozess vor dem Amtsgericht in Amberg: Zwei Männer gerieten sich in die Haare. Dabei zog ein 22-Jähriger aus und schlug mit einer Flasche zu.

Der Kontrahent wurde am Kopf verletzt und hatte Glück im Unglück: Der Hieb hätte weitaus schlimmer enden können. "Erzählen Sie", forderte Amtsgerichtsdirektor Ludwig Stich den Angeklagten auf und hörte eine Geschichte, die ihn dazu bewog, den Prozess abzubrechen und eine Psychiaterin einzuschalten. Sie soll nun ein Gutachten erstellen.

Der junge Mann trinkt nach eigenen Angaben seit seinem 14. Lebensjahr Alkohol in großen Mengen. Er nimmt Medikamente gegen psychotische Zustände, konsumiert Rauschgift. Als es im Mai zu der Auseinandersetzung kam, will er zuvor "drei bis vier Flaschen Wein, einen halben Liter Jägermeister und mehrere Biere" getrunken haben. "Ich wollte mich besaufen", ließ er wissen. Das Ergebnis einer Blutentnahme war eindeutig: 1,92 Promille.

Aus eigenem Antrieb

Der 22-Jährige ist allein auf sich gestellt. Er machte sexuellen Missbrauch in seiner Jugendzeit geltend, sprach von schwerer Kindheit. Momentan sitzt er eine Haftstrafe ab, wobei noch Bewährungen offen sind. Vor längerer Zeit ließ er sich aus eigenem Antrieb in ein psychiatrisches Krankenhaus einweisen. Das möchte er jetzt erneut, angeordnet durch die Justiz. Denn in einer solchen Einrichtung, so der Mann, könne ihm womöglich geholfen werden.

Gutachten abwarten

Auf freien Fuß kommt er momentan nicht. "Das können Sie von diesem Gericht nicht erwarten", sagte Richter Stich auf eine entsprechende Anregung von Anwalt Michael Schüll. Erst wenn das Gutachten vorliegt, wird erneut verhandelt und entschieden, ob der 22-Jährige im Gefängnis bleibt oder in eine Therapie wandert.
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