Himmlische Schattenspiele

Teleskope Richtung Sonne: Die Volkssternwarte Ursensollen-Amberg fährt ihre Geräte am Freitag auf dem Multifunktionsplatz auf. Bild: Unger

Am Freitagvormittag macht der Multifunktionsplatz beim Bahnhof seinem Namen mal wieder alle Ehre: Wenn kurz vor 11 Uhr der Mond die Sonne verfinstert, wandelt er sich zur mobilen Volkssternwarte.

Die Planetengucker aus Ursensollen rücken an, bauen rund um die Bürgerskulptur ihre Teleskope auf und laden die Bevölkerung ein, durchzuschauen. Für die Freunde außergewöhnlicher Himmelsereignisse ist die partielle Sonnenfinsternis am Freitag durchaus etwas Besonderes.

Bis sich der Stern über Amberg ein weiteres Mal derart verdunkelt, dauert es. Die nächste totale Sonnenfinsternis ist erst am 2. September 2081 zu beobachten. Nur einmal - am 12. August 2026 - kommt die schwarze Sonne dazwischen ähnlich nahe wie am Freitag.

Die Nasa bietet im Internet einen Service an, der für jeden Punkt der Erde die genauen Eckdaten des Spektakels ausweist. Für Amberg sieht der Zeitplan so aus: Um 9 Uhr, 31 Minuten und 52 Sekunden beginnt die Sonnenfinsternis. Um 10 Uhr, 40 Minuten und 22 Sekunden ist mit 70,8 Prozent die maximale Sonnenabdeckung erreicht. Danach zieht der Mond wieder ab. Er wird die Sonne um 11 Uhr, 52 Minuten und 3 Sekunden vollständig freigegeben.

Keine Brillen mehr

"Sie sind heute bestimmt schon der Zwanzigste, der danach fragt", sagt der Verkäufer bei Optik-Matt in der Bahnhofstraße. Brillen zum Beobachten des kosmischen Schauspiels sind in Amberg Mangelware. Das Interesse sei riesig, der Großhandel habe sich auf das Ereignis aber nicht eingestellt. Das bestätigt Carina Weiß, Filialleiterin von Apollo-Optik in der Georgenstraße. "Wir könnten jede Menge davon verkaufen. Aber wir kriegen schlichtweg keine", erklärt sie. Sie habe deswegen schon mit der Zentrale telefoniert, allerdings eine negative Antwort erhalten. Gleiche Situation bei Optik Millies in der Rathausstraße. Das letzte Exemplar ging am Montag über die Ladentheke.

Hoffen auf gutes Wetter

Die Himmelsbeobachter von der Volkssternwarte warnen davor, ohne entsprechende Ausrüstung in die Sonne zu schauen. "Sie ist immer noch zu hell, um sie mit bloßem Auge oder gar mit ungeschütztem Feldstecher zu betrachten", heißt es in einer Mitteilung, die der Verein herausgegeben hat. Von 9 bis 12 Uhr schlagen die Spezialisten auf dem Multifunktionsplatz ihr Quartier auf, stellen ihre Ausrüstung zur Verfügung und beantworten Fragen. "Nur eines sollten die Besucher mitbringen: jede Menge Sonnenschein." Sollte es wider Erwarten regnen oder stark bewölkt sein, müsse die Veranstaltung abgesagt werden.

Vortrag in der Sternwarte

So oder so gibt es am Samstag, 21. März, einen Nachschlag. Der Tag des kalendarischen Frühlingsanfangs ist auch immer der "Internationale Tag der Astronomie" - diesmal mit einem besonderen Reiz. Am Abend kann von der Sternwarte in Ursensollen aus eine Sonnenfinsternis auf dem Jupiter beobachtet werden. Mit dem vor vier Jahren in Betrieb genommenen großen Teleskop bietet sich ein grandioser Blick auf den größten Planeten unseres Sonnensystems, wenn der Mond Io an ihm vorbeizieht.

Die Einrichtung unweit des Fußballplatzes der DJK Ursensollen ist ab 19.30 Uhr geöffnet. Gäste parken am besten vor dem Sportheim und gehen dann den schmalen Schotterweg durch den Wald entlang. Nach etwa 200 Metern steht die Sternwarte zwischen Wiesen und Äckern. Professor Matthias Mändl (OTH Amberg, Fakultät Maschinenbau/Umwelttechnik) hält dazu einen Vortrag unter dem Titel "Himmlische Schattenspiele". Der Physiker ist Schriftführer des Fördervereins.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.