Hintergrund: Das Dreifaltigkeitskircherl

Die Weinzierl-Kapelle lenkt die Aufmerksamkeit noch einmal auf das Leprosenhaus von Dreifaltigkeit, das Mannssiechen, das bereits Thema des AZ-Adventskalenders war. Das Dreifaltigkeitskircherl war ein besonderer Trost für die 20 bis 30 isolierten Leprosen in der Nachbarschaft, wie Stadtheimatpflegerin Beate Wolters erläutert - eigentlich "ein richtiger Luxus", dass man für sie eigens ein Gotteshaus gebaut habe. Doch das blieb nicht lange so: "Schon relativ kurz danach ist es als Friedhofskirche verwendet worden." Wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Siechen gleich in der Nähe des Leprosenhauses verscharrt worden seien.

Nachdem dadurch bereits "eine Art Friedhof" entstanden war und die innerstädtischen Gottesäcker wie der bei St. Martin aufgelöst wurden, verlagerte Amberg diese nach Dreifaltigkeit und Katharina. "Es war dann eigentlich gang und gäbe, dass man auf einem dieser beiden Friedhöfe bestattet wurde", berichtet Wolters: "Diejenigen, die rechts von der Vils gelebt hatten, mussten nach Dreifaltigkeit, die von der anderen Vilsseite zu Katharina", dies habe eine eigene Bestimmung geregelt. Eine letzte Ruhestätte mitten in der Stadt sei dann nur noch Geistlichen, Adeligen und hochverdienten Bürgern gestattet worden.

Das Dreifaltigkeitskircherl sei sehr lange Friedhofskirche geblieben, ergänzt Wolters. "Bis es dann im 20. Jahrhundert sogar eine provisorische Pfarrkirche für 4000 Gläubige geworden ist." Anlass dafür war nach den Worten der Stadtheimatpflegerin die Aufteilung Ambergs in Pfarrgemeinden 1923. Damals seien St. Martin, St. Georg und Hl. Dreifaltigkeit entstanden. "Wenn man sich allerdings die Größe des Kircherls anschaut - für 4000 Gläubige -, dann weiß man, das konnte nicht gutgehen." Das habe man auch damals einsehen müssen - deshalb sei die große Dreifaltigkeitskirche errichtet worden. (eik)
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