Hintersinn trifft Schenkelklopfer

... und mit großer Gestik agierte Christine Eixenberger.

Comedy im Doppelpack: Das hat Tradition bei der Amberger Lachnacht. Heuer trafen der bekannte Kabarettist Michael Altinger und die Newcomerin Christine Eixenberger aufeinander. Und wie so oft bei echten Bayern, bekam das Publikum eine Mischung aus hintersinnigem Humor und kräftig-deftigen Schenkelklopfern serviert.

Doch das bewährte Konzept kam bestens an. Zunächst gehörte die Bühne der jungen Nachwuchskabarettistin Eixenberger, die den Zuschauern einen Blick in ihren Lebenslauf gönnte: Ihr Jura-Studium hängte sie schon nach ein paar Semestern an den berühmten Nagel, um Grundschullehrerin zu werden. Dabei nahm sie den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit dieses Daseins ins Visier.

Bologna à la bolognese

Die Bologna-Reform kam gar nicht gut weg bei ihr, denn da würden "schöne deutsche Akademikergrade und Diplome gehäckselt wie das Hackfleisch für die Spaghetti bolognese - und heraus kommt ein Bachelor, vulgo Geselle". Der Vergabe der Referendarsstellen widmete sie gleich ein eigenes Lied, frei nach Goethe als Lehrer-Einmaleins betitelt.

Am besten zeigte sich Christine Eixenberger aber dann, als sie recht lebensnah über den Unterricht von Schülern erzählte, die noch mit einem Bein im Sandkasten und mit dem anderen schon in der heraufziehenden Pubertät stecken. Da wurde die Frage erörtert, ob die Anrede "Du, Frau Eixenberger" korrekt sei, oder die Kabarettistin stellte Überlegungen an, wie man Sexualaufklärung kindgerecht gestaltet.

Charmant und deftig

Die Kommentare der Komödiantin zu solchen Problemen waren von einer milden Form des Sarkasmus geprägt, der über das Unvermeidliche hinwegtrösten sollte, und sie waren charmant und augenzwinkernd vorgetragen.

Deftiger, aber trotzdem hintersinnig, gestaltete sich Michael Altingers Auftritt. Sein Wortwitz kam mal krachledern und dann wieder in seiner feinsten valentinesken Ausprägung daher. Einen Begriff wie "ein Muster an Vorbildlichkeit" könnte direkt aus der Kalauerschmiede des großen Karl stammen. Im Gegensatz zu Christine Eixenberger, die hauptsächlich ein zugegeben sehr weites Themenfeld beackerte, reihten sich bei Altinger mehr oder weniger eigenständige Erzählungen aus dem wahren Leben aneinander.

Höchst amüsant geriet die Klärung der Frage, "Wie alt wird ein Huhn?". Die Antwort konnten weder die Bäuerin noch der Bauer noch der Austragsbauer geben - alle in ihren Sprach- und Persönlichkeitscharakteren urkomisch von Michael Altinger dargestellt -, da die Hühner auf dem Hof nach spätestens drei Jahren geschlachtet würden. Dieses Thema mit Variationen gipfelte in der Gegenfrage: "Wie alt wird eine Kartoffel, wenn man sie nicht isst?"

Lieber "diätschnackseln"

Besonders gern macht sich der Kabarettist anscheinend über die modernen Trends lustig: Dass der Fitnesswahn gelegentlich seltsame Blüten treibt, ist ja allgemein bekannt. Aber seit die Wissenschaft herausgefunden habe, dass man beim Geschlechtsverkehr jede Menge Kalorien verbrennt, "kann man seinen Körper auch beim Diätschnackseln ertüchtigen". Selbst die Ernährungsphilosophie, die derzeit en vogue ist, hinterfragte Michael Altinger. Er führte am Beispiel von Wasabi drastisch vor Augen, was das mitteleuropäische Verdauungssystem durchmachen muss, wenn es sich mit der asiatischen Küche anfreunden soll. Nach dem Genuss des japanischen Meerrettichs fand er eine völlig neue Bedeutung des Begriffs Feuerstuhl.

Den Veranstaltern ist es wieder einmal gelungen, zwei unterschiedliche, aber in Sachen Lachfaktor ziemlich ähnliche Comedians nach Amberg zu holen. Und so mancher wird auch noch auf dem Heimweg vor sich hingeschmunzelt, oder sehr zu Verwunderung anderer Passanten, lauf aufgelacht haben.
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