Höchster Festtag der Bergleute

Brauchtum darf einem modernen Industriezeitalter nicht zum Opfer fallen.

Pfarrer Markus Brunner hatte es dieser Tage in seiner Kirche mit ungewöhnlichen Utensilien zu tun. Neben ihm auf dem Pult: eine Grubenlampe, ein Schachthut und ein Häckel.

Beim Festgottesdienst in St. Georg, der der Barbarafeier des Bergknappenvereins Stadt und Landkreis Amberg vorausging, betonte der Geistliche, Bergleute und bergmännische Tradition hätten Amberg und das Umland über viele Jahrhunderte auf unverwechselbare Weise geprägt. Das Steigerlied berühre jeden, und es gebe in Amberg wohl kaum einen Menschen, der "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt" nicht kennt.

Trotz aller Strukturveränderungen, betonte Brunner, gehöre die bergmännische Tradition zu unseren Wurzeln, und damit das niemand vergesse, halte der Bergknappenverein die Erinnerungen aufrecht.

Ein gefährlicher Beruf

Die heilige Barbara sei die Schutzpatronin derjenigen, die in ihrem Beruf besonders gefährdet sind - die Bergleute zum Beispiel, die beim Einfahren nie wüssten, ob sie das Tageslicht jemals wieder erblicken. Trotz aller technischen Fortschritte sei Bergmann immer noch ein gefährlicher Job, sagte Brunner.

Später, in der Alten Reitschule, wies Bergknappen-Vorsitzender Hans Schöner darauf hin, dass die Barbarafeier der höchste Festtag der Bergleute ist. Ziel des Vereins sei es, die Kameradschaft zu pflegen, was zwangsläufig immer schwerer werde, denn ohne Bergbau in der Region gebe es auch keinen Nachwuchs mehr.

Mit der heiligen Barbara befasste sich auch der ehemalige Luitpoldhütten-Arbeitsdirektor Heinz Wiesnet in seinem Festvortrag. Ihre Verehrung reiche bis in das 15. Jahrhundert zurück. Selbst Napoleon habe als junger Offizier nie eine Barbarafeier versäumt, weil die Heilige auch als Schutzpatronin der Artillerie galt.

In der Tiefe droht Unheil

Trotz allem, sagte Wiesnet, sei der Bergbau ein Motor des Fortschritts. Die Gemeinschaft der Bergleute gelte als etwas Besonderes. "Denn immer waren sie aufeinander angewiesen." Wer in den Schacht einfuhr, habe sich in eine andere Welt begeben, in eine Welt der Enge und der Unsicherheit, früher noch gefährlicher als heute. Jeder sei sich bewusst gewesen, dass in der Tiefe Unheil drohe. Diese Tiefe, nur erhellt durch die Grubenlampe, habe die Bergleute zusammengeschweißt.

Der gefährliche Beruf und die Einsamkeit in der Tiefe würden Menschen gläubig machen, und das habe wahrscheinlich dazu geführt, dass die heilige Barbara zur Schutzpatronin wurde.

Heinz Wiesent bedauerte, dass es seit dem Jahr 1964 keinen Bergbau mehr in Amberg gebe. Barbarafeiern würden trotzdem bleiben, denn sie dienten der Kommunikation unter den Ehemaligen.

Wenn manche Firmenchefs Betriebsfeiern abschaffen wollen, sei das der falsche Weg, unterstrich Heinz Wiesnet. Allen "Besserwissern" riet er, Mitarbeitern Brauchtum unbedingt zu lassen.
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