Hunde bis aufs Blut gequält

"Ich geh' ihm an die Gurgel!", zischte eine Prozessbeobachterin, als sie den Angeklagten erblickte - in den Augen der Frau ein gemeiner Tierquäler. Das Leiden seiner Hunde empörte die Zuhörer so sehr, dass sie die Verhandlung mit Kommentaren und Zwischenrufen begleiteten. Amtsrichterin Jacqueline Sachse drohte nicht nur einmal mit Rauswurf.

Der Amberger (54) hält in Zwingern bis zu neun Hunde. "Ohne ersichtlichen Grund" habe er sie immer wieder misshandelt, führte Staatsanwalt Daniel Gold in seiner Anklage aus. So habe er einen seiner Vierbeiner "wie ein Fußballspieler" getreten. Die Tiere, die auch geschlagen und sogar gewürgt worden seien, hätten vor Schmerzen gewinselt. Gold listete fünf Fälle auf. In seinem Plädoyer zeigte er sich später "überzeugt, dass der Angeklagte ein gewalttätiger Mensch ist".

Sauer stieß Gold auf, dass er von dem 54-Jährigen im Prozess kein Geständnis und keine Reue hörte. Der Staatsanwalt hätte ihn gerne acht Monate im Gefängnis gesehen - zumal der Amberger, als er die Tiere misshandelte, wegen Verkehrsdelikten unter Bewährung stand.

Gewürgt und getreten

Rechtsanwalt Jörg Jendricke hatte seinem Mandanten geraten, vor Gericht erst einmal keine Angaben zu machen. Dafür erzählten die Zeugen so einiges. Eine Nachbarin (64) berichtete: "Wenn die Hunde gebellt haben, haben s' halt eine draufgekriegt." Eine Frau (58), die in dem Haus des Ambergers gewohnt hatte, erinnerte sich "mit Entsetzen" daran, wie ihr Vermieter eines Tages "auf dem Hund kniet und ihn mit einem Lederriemen würgt". Sie könnte heute noch losheulen, wenn sie nur daran denkt. Das sei übrigens kein Einzelfall gewesen: "Das hat er ungefähr zwei bis drei Mal wiederholt." Und "es gab öfter mal Tritte".

Der Ehemann (56) dieser Zeugin, der anmerkte, den Angeklagten "nur im alkoholisierten Zustand" zu kennen, räumte ein, dass der Umgang mit den Hunden "manchmal vorbildlich" gewesen sei. Doch ansonsten habe es viele Schläge gegeben. Einen Übergriff hatte der 56-Jährige mit der Videokamera aufgenommen.

"Liebevoll geht er nicht mit den Hunden um", bestätigte der Cousin (49) des Ambergers. Gut kommen die beiden offensichtlich nicht miteinander aus, obwohl sie nebeneinander wohnen. Seit dem Ende der gemeinsamen Firma sei das Verhältnis "schlecht", ließ der Zeuge wissen. Doch das spiele hier keine Rolle. Er habe zum Beispiel gesehen, "dass er mit einem Holzknüppel auf die Hunde einschlägt". Die Attacken seien "massivst" und "brutalst" gewesen. Und: "Wenn die Hunde bellen, wird mit dem Wasserschlauch in den Zwinger reingespritzt." Das auch im Winter bei Minusgraden. Die Lebensgefährtin des 49-Jährigen will beobachtet haben, wie der Hundehalter mit Stock und Schaufel losprügelte.

"Belastungseifer" kritisiert

"Den Tieren ist mit Sicherheit Leiden zugefügt worden", urteilte Dr. Werner Pilz, Leiter des Veterinäramts, in seiner Funktion als Sachverständiger vor Gericht. Das Vorgehen gegen die Hunde sei "überhaupt nicht akzeptabel". Sie hätten körperliche und psychische Schäden erlitten.

Staatsanwalt Gold hielt sämtliche Zeugen für glaubwürdig. Verteidiger Jendricke hingegen meinte, "selten so geballten Belastungseifer" erlebt zu haben: "Wenn es um Tiere geht, scheint sich bei manchen Menschen ein Schalter umzulegen."

"Kirche im Dorf lassen"

Der Anwalt stellte fest, dass das Veterinäramt bisher keine Maßnahmen gegen seinen Mandanten ergriffen habe. Im Übrigen habe er "selten ein handwerklich schlechteres Gutachten gelesen und gehört" als das von Werner Pilz. Eine schlüssige Erklärung für die ins Feld geführten körperlichen und seelischen Schädigungen fehle völlig. "Man hätte durchaus erwarten können, dass er da hinfährt und die Hunde untersucht. Ein Schäferhund hat wohl ein anderes Schmerzempfinden als ein Rauhaardackel. Das hätte uns der Sachverständige sagen müssen. Man muss doch bitteschön mal die Kirche im Dorf lassen." Jendrickes Forderung: Freispruch.

Das Urteil von Jacqueline Sachse: 3600 Euro Geldstrafe. Der 54-Jährige sei dreier Vergehen schuldig, in zwei Fällen gebe es keine Klarheit darüber, ob die Hunde auch getroffen wurden. (Angemerkt)
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