Husch, husch geht da nichts

Eine lokalpolitische Wallfahrt war es nicht, als die SPD-Stadtratsfraktion am Samstag den Mariahilfberg erklomm. Sie hat etwas ganz anderes vor. Doch das braucht Zeit, und die wollen sich die Sozialdemokraten nehmen.

(zm) Plötzlich war Eile angesagt, denn es wurde schon dunkel. Allerdings haben es Förster nicht allzu arg mit dem Husch-husch, riet auch Martin Seitz vom städtischen Forstamt dazu, nicht allzu euphorisch an die Sache heranzugehen. Die SPD-Stadtratsfraktion suchte in ihm den ersten Ansprechpartner für eine Idee, die sie gerne in Lokalpolitik gegossen hätte: Amberg ist mit knapp über 2000 Hektar der größte kommunale Waldbesitzer von Niederbayern/Oberpfalz, da dränge sich nachhaltiges Wirtschaften auf diesem Gebiet nahezu auf.

Mit dieser verknappten Argumentation eröffnete am Samstagnachmittag stellvertretender Fraktionsvorsitzender Uli Hübner nicht nur den Ortstermin auf dem Mariahilfberg, er wollte zugleich eine möglichst breite öffentliche Diskussion anstoßen, ob und wie die Stadt ihren Waldreichtum besser nutzen kann.

Zwei argumentative Eckpfeiler schlug Hübner gleich ein: die Maßgabe des nachhaltigen Wirtschaftens mit dem Naturkapital Wald und die weitgehende Bindung der Wertschöpfung in der Region. Etwas konkreter wurde Volker Binner. Er stellte unmittelbare Bezüge zu den beiden Kommunalunternehmen Stadtwerke und Stadtbau her. Sie seien mit Aufgaben betraut, innerhalb derer die Holzwirtschaft grundsätzlich ein inzwischen gehöriges Wort mitzureden habe: Energiegewinnung und Holzbauweise.

Andere sind weiter

Binner verweist auf Länder wie Österreich oder in Skandinavien, wo die jeweiligen prozentualen Anteile der Holzverwertung deutlich über den hiesigen Prozentsätzen lägen. Schnell wurde deutlich, dass die Überlegungen der Amberger SPD im Grunde beim städtischen Forstamt offene Türen einrennen. "Wir wollen innovativ sein, wir wollen mitmachen und wir werden uns nicht dagegen verschließen", griff er die Argumente der Amberger Sozialdemokraten auf, bat jedoch darum, nicht allzu plakativ zu denken.

Rechnung nicht einfach

Der Nachhaltigkeit sehe sich sein Haus schon immer verpflichtet, der Begriff stamme sogar aus der Forstwirtschaft. Vereinfacht bedeute er, dass Amberg jährlich rund 10 000 Festmeter Holz aus seinen Beständen einschlagen könne, ohne die Substanz anzugreifen. Denn eben diese Masse wachse jährlich nach. Doch ganz so einfach sei die Rechnung nicht. Holz sei nicht gleich Holz und der Markt reagiere sehr sensibel, erläuterte Seitz Unterschiede zwischen Holz für die Industrie (Papier, Spanplatten), die Bau- oder Möbelbranche. Zudem müsse der wirtschaftliche Nutzen des Waldes im Spannungsfeld zu dessen künftiger Rolle innerhalb der Biosphäre gesehen werden, Stichwort Klimaänderung. Deshalb würden schon jetzt auch die Amberger Bestände von den einst favorisierten Nadelholz-Mono- auf deutlich stabilere Mischkulturen umgestellt. Wie das geht, zeigte Seitz bei einem Rundgang über den Mariahilfberg. (Angemerkt)
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