IG Metall erinnert an Streik-Dilemma von 1954
Kündigungswelle bei Betriebsräten

Konrad Merkl ging in seinem Vortrag auf die größte Streik-Niederlage der IG Metall ein. Bild: wsb
Aus der Geschichte lernen. Das hat sich die IG Metall vorgenommen. Bei der Delegiertenversammlung referierte Buchautor Konrad Merkl über ein ernstes Thema: Den Metallarbeiterstreik von 1954, der sich jahrzehntelang auf die Gewerkschaft negativ auswirkte, weil sich die Arbeitgeber rächten.

In dem Jahr, in dem Deutschland Fußballweltmeister wurde, befand sich die Republik in der Wachstumsphase. In den Boomjahren ab 1951 lagen die Steigerungsraten zwischen zehn und zwölf Prozent, mit der Folge, dass die Tariflöhne und die Effektivlöhne auseinanderdrifteten. In der Tarifrunde 1954 konzentrierte sich die Gewerkschaft deshalb ganz auf die Steigerung der Einkommen. Da die bayerischen Metallarbeitgeber nicht bereit waren, die Forderungen zu akzeptieren, gab es eine Urabstimmung, bei der sich von den über 120 000 abgegebenen Stimmen 90,4 Prozent für einen Streik aussprachen.

Am 9. August 1954 traten mehr als 100 000 der 240 000 Beschäftigten in den Ausstand. Zum Amberger Streikbezirk gehörten die Gebrüder Baumann, Gebrüder Schubert, Deprag, Kawalecki & Zenker und Siemens-Schuckert als Schwerpunktbetrieb sowie die Firmen Ostner in Sulzbach-Rosenberg und Leistritz in Trabitz. Mit jedem Tag des Streiks erhöhte sich das Konfliktpotential und so gab es am 12. August die ersten Verletzten. Rund 800 Arbeiter, unter denen sich auch eine größere Anzahl aus der Luitpoldhütte befand, versuchten mit Gewalt, Streikbrecher am Betreten der Siemens-Schuckert-Werke zu hindern. Da für die beginnende dritte Streikwoche eine weitere Verschärfung erwartet wurde, wurde ein Schiedsgericht zusammengestellt.

Abgesehen von den Lohnerhöhungen blieb aber von den ursprünglichen Forderungen nichts übrig. Mit der Urabstimmung am 30. August 1954 war der Ausstand vorbei, aber die Auseinandersetzungen noch lange nicht, denn die bayerischen Metallunternehmer nahmen fürchterliche Rache an den am Streik beteiligten Arbeitnehmern und säuberten die Betriebe von aktiven Gewerkschaftern. Unter den über 800 Entlassenen befanden sich 60 Betriebsräte und mehrere Hundert Vertrauensleute. In 1500 Prozessen mussten sich Streikposten verantworten.
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