IHK kritisiert Kreistagsvotum

Auch die Firma Lüdecke an der Georg-Hilbenz-Straße gehört mit ihren Produkten für Armaturen- und Kupplungssysteme zu Ambergs Exportmeistern. Sie würde nach den Worten ihres Geschäftsführers Klaus Herdegen vom Freihandelsabkommen mit den USA deutlich profitieren. Archivbild: Huber

Die Resolution des Kreistags gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU erhält Gegenwind. Von der IHK und ihrem Vizepräsidenten Dr. Rolf Pfeiffer. Für die regionale Wirtschaft ist nach seinen Worten "nicht erkennbar, wo in dieser Frage die Zuständigkeit des Kreistags liegt".

"Vor einer solchen Entscheidung sollte eine umfassende Information über die Vor- und Nachteile erfolgen", wird Pfeiffer in einer Pressemitteilung der IHK Amberg-Sulzbach zitiert. Darin heißt es weiter, der Vizepräsident habe "wenig Verständnis dafür, dass der Kreistag des Landkreises Amberg-Sulzbach eine Resolution gegen das geplante Freihandelsabkommen beschlossen hat". Er kritisiert, dass es diesen Schritt angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des transatlantischen Handels- und Investitionsabkommens (TTIP) "bei einer objektiven Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken für die Region nicht gegeben hätte".

Export würde steigen

Dass die Wirtschaft im hiesigen Bezirk von den Handelslockerungen profitieren würde, stellt die IHK in ihrer Presseinformation exemplarisch dar. "Wenn hier Barrieren abgebaut werden, sehen auch viele Industriebetriebe aus dem Raum Amberg gute Chancen, ihre Ausfuhren nach Übersee zu erhöhen", betont Geschäftsführer Johann Schmalzl. Wissenschaftliche Studien gehen nach seiner Auskunft davon aus, dass mit einem umfassenden Abbau von Handelshemmnissen zwischen Amerika und der Europäischen Union in Deutschland mindestens 100 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Lüdecke-Geschäftsführer Klaus Herdegen ist laut IHK überzeugt, dass gerade das verarbeitende Gewerbe in Amberg-Sulzbach mit einer Exportquote von aktuell 63 Prozent davon deutlich profitieren würde. Eine Liberalisierung des Handels hätte nach seiner Ansicht vielfältigen Einfluss auf das Wohlstandsniveau in Deutschland. Durch den Verzicht auf Zölle würden nicht nur die Verbraucherpreise sinken, wegfallende Handelsbarrieren und Ausfuhrgebühren in die USA würden auch zu einem höheren Pro-Kopf-Einkommen und mehr Stellen führen.

Innovative profitieren

Für Rolf Pfeiffer, der auch geschäftsführender Gesellschafter der Deprag Schulz GmbH & Co. ist, könnten von den Erleichterungen beim Marktzugang vor allem innovative mittelständische Unternehmer aus der Region profitieren. Von einer wechselseitigen Anerkennung von Normen und Standards erwartet er sowohl in der EU als auch in den USA attraktivere Bedingungen für Investoren aus Drittländern.

Pfeiffer begrüßt es, dass aufgrund des großen Drucks von Wirtschaftsverbänden und Bürgern die EU seit November ausführlicher über den Stand der Verhandlungen und die Ziele informiert. "Viele Bedenken gegen TTIP sind auch darauf zurückzuführen, dass über den Inhalt und die Ergebnisse der Verhandlungen nicht offen informiert worden ist", meint Pfeiffer.
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