Im Knast sind alle Zellen voll

Gerald Stelzer in der künftigen Hotelbar. Die Uniform gehört zur Dienstkleidung im Knast-Hotel Fronfeste.

Neulich, so erzählt man sich, musste Peter Voss, einer der drei Gesellschafter, sein Feldbett sogar im Keller aufschlagen. Das sagt schon einiges aus über den Erfolg des Knast-Hotels Fronfeste.

Einmal im Monat muss Peter Voss für eine Woche in den Knast. Dann kommt er von Berlin nach Amberg und hilft seinem Kompagnon Gerald Stelzer, der ansonsten Tag und auch Nacht für die Gäste da ist. Normalerweise schläft Peter Voss in einem der Zimmer, doch diesmal war kein Kämmerchen mehr frei, obwohl das Hotel im ehemaligen Gefängnis erst vor kurzem erweitert worden ist.

Neue Themenzimmer

Während Peter Voss durch das Hotel wuselt und praktisch überall gleichzeitig ist, nimmt sich Gerald Stelzer die Zeit, um die neuen Themenzimmer zu präsentieren. Ein feudales Ledersofa und ein repräsentativer Schreibtisch dominieren im sogenannten Direktoren-Zimmer. Tatsächlich, so erzählt Manuela Pabst, die für das Marketing zuständig ist, wohnte hier früher der Direktor mit seiner Familie.

Daneben wird es kirchlich: Dort, wo einst die Hauskapelle zu finden war, können die Gäste noch auf dem Knieschemel um Vergebung ihrer Sünden beten, bevor sie ins wuchtige Doppelbett gehen. Ein paar Meter weiter im Themenzimmer "Eisenknecht" fehlen wieder einmal die Handschellen, die das Bett zieren. "Die werden einfach immer wieder gestohlen", beklagt sich Gerald Stelzer über die schlechten Manieren mancher Gäste.

Besonders stolz ist er auch auf das Arztzimmer, in dem ein alter Behandlungsstuhl steht und sich die Gäste auf einem Röntgenschirm Bilder anschauen können. Neu ist auch der Tagungsraum, einer der Erfolgsgaranten des Hotels. Seit es diesen gibt, ist es an manchen Tagen beinahe unmöglich, ein freies Zimmer zu bekommen. Dann sind alle Zellen und Themenzimmer ausgebucht.

Ein paar alte Zellen haben die Betreiber des Hotels Fronfeste noch in der Hinterhand. Die könnten in den nächsten Jahren ebenfalls zu Hotelzimmern umgebaut werden. "Die jetzigen 17 Zimmer", so sagt es Gerald Stelzer, "reichen punktuell einfach immer noch nicht." Die Betonung liegt auf punktuell. Denn genauso erinnert sich Stelzer an viele langweilige Winter-Sonntage, an denen einfach überhaupt niemand gekommen ist. Wer hier tagt, bucht an Wochentagen ein - und in der kalten Jahreszeit sind auch keine Radler unterwegs, die das Hotel ebenfalls sehr gerne ansteuern.

Nicht von der Stange

Die langweiligen Sonntage hat Gerald Stelzer vor allem dazu genutzt, im Internet nach Einrichtungsgegenständen zu suchen, die zum Hotel passen. In einem "normalen" Laden seien die meisten dieser Möbel nicht zu bekommen, so erzählt er. Und von der Stange soll im Hotel Fronfeste möglichst wenig sein. Dazu zählt übrigens auch der Umgang mit den Gästen. Die werden von "Wärtern" in Uniformen versorgt, bekommen Freigang, wenn sie das Hotel mal zwischendrin verlassen oder werden am Ende des Aufenthalts wegen guter Führung entlassen.

Unten im Keller, wo Peter Voss neulich geschlafen hat, wird auch schon wieder gebaut. Hier entsteht die Hotelbar, die natürlich wieder ganz viel mit der Knastgeschichte des Hauses zu tun hat. Von der Decke baumelt eine schwere Kette, die sich dann als Plastikimitat herausstellt. Denn alles ist dann doch nicht echt im Hotel Fronfeste.
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