Im Prozess um angebliche Abzocke-Aktionen sagt der Sicherheitschef einer spanischen Großbank aus
Ein Scheck über 300 Millionen Euro

Für die Wahrheitsfindung darf kein Weg zu weit sein. Bis aus Madrid ist jetzt der Sicherheitschef einer spanischen Großbank nach Amberg gereist, um in einem Betrugsprozes auszusagen, bei dem es um vier Milionen Euro geht. Der Herr im nachtblauen Anzug wurde nach einer Stunde von der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber mit einem "muchas gracias" verabschiedet. Nicht der Rede wert, er habe nur seine Pflicht getan, ließ der Spanier galant wissen. Zuvor hatte der 50-Jährige in seiner Eigenschaft als Sicherheitschef einer weltbekannten Bank Auskunft über die mögliche Echtheit verschiedener Dokumente erteilt. "Alle gefälscht", erfuhr die Erste Strafkammer des Landgerichts.

Unter den Papieren befand sich auch ein Scheck über sagenhafte 300 Millionen Euro. Ihn hatte angeblich ein Vorstandsmitglied des Geldinstituts unterschrieben. Auch das von der Bank verwendete Wasserzeichen war vorhanden. "Trotzdem unecht", teilte der aus Madrid eingeflogene Zeuge mit. Von wem die Falsifikate stammten, ist bis heute unklar. Aber die Behörden vermuten, dass sie aus dem Umfeld des in Weiden zu elf Jahren Haft verurteilten "Mallorca-Betrügers" Wolfgang S. (68) kamen.

Sie zahlten bereitwillig

Angeklagt ist ein Finanzmakler aus Amberg, dessen Rolle in dem kaum zu durchblickenden Gefüge von Abzocke-Aktionen in Millionenhöhe nebulös ist. Die generelle Frage lautet: Warb der 54-Jährige von Geldgebern Darlehen an ohne zu ahnen, dass er quasi Handlanger für Betrügereien war? Oder wusste er davon?

In Amberg erschien auch ein ehemaliger Ministerialbediensteter aus Stuttgart. Der Mann hatte per Zeitungsanzeige davon erfahren, dass es da interessante Anlagemöglichkeiten gebe. Er meldete sich, kam in Kontakt mit dem Makler aus Amberg und bekam einen ihn zwar nicht weiter stutzig machenden, wohl aber atemberaubenden Vorschlag: 100 000 Euro Darlehen für wenige Tage mit einer Rückzahlungssumme von insgesamt 750 000 Euro. Da ließ er von seinem Schweizer Konto Geld nach New York überweisen.

Als Wochen und Monate vergingen, wurde der Stuttgarter unwirsch. Er wollte Klarheit, flog zusammen mit dem Amberger Finanzmakler und anderen Geldgebern nach Mallorca, um dem dort residierenden Wolfgang S. endgültig den Fehdehandschuh hinzuwerfen. "Man ließ uns erst nicht vor", erzählte der 76-Jährige und berichtete weiter, wie er und seine Begleiter sich kühn einen Weg zu Wolfgang S. bahnten. "Und dann?", wollte Richterin Stöber wissen. "Der S. redete von Amerika, Kanada und Südafrika. Auch von Banken in Barcelona, Valencia und Madrid." Er möge gefälligst geschlossene Verträge einhalten, hielt der Stuttgarter genervt entgegen und erinnerte sich jetzt: "Das hat er versprochen".

"Er war ratlos"

So flogen sie denn heim. Von der Wärme in die Kälte und noch ärgerlicher als zuvor. Ohne Bares, aber mit Vertröstungen, der Tag des großen Geldsegens sei nahe. "Was hat der Angeklagte dazu gesagt?", wollte die Kammervorsitzende wissen. "Er war ratlos wie wir." Später erhielt der Stuttgarter ein Wertpapier der Deutschen Bank zur Ansicht, dem sich entnehmen ließ, dass bei ihr 500 Millionen Euro lagerten. Er rief in Frankfurt an und löste eine gewisse Erheiterung aus. 500 Millionen? Kein einziger Cent, den man mit den gewährten Darlehen hätte auslösen können, war dort deponiert. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. (Angemerkt)
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