Im Rausch unberechenbar

Der Mann ist Alkohol gewohnt und reagiert heftig, wenn ihm etwas gegen den Strich läuft. Jetzt saß er in Fußfesseln vor dem Amberger Landgericht, bekannte sich erstmals zu seiner Trunksucht und startete den Versuch, eine Therapie antreten zu dürfen.

Der 33-Jährige aus dem südöstlichen Landkreis Schwandorf war mit dabei, als vor einigen Jahren in Bodenwöhr ein Mann in seiner Wohnung überfallen und übel misshandelt wurde. Er hätte Drogen herausgeben sollen, besaß aber keine. Aus den Akten verlas jetzt der Vorsitzende der 3. Strafkammer, Gerd Dreßler, dass dem Opfer eine Bierflasche über den Kopf gezogen wurde. Der 33-Jährige, damals mit über drei Promille am Tatort, kam später vor dem Amberger Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung eher glimpflich davon. Doch er beging abermals Straftaten und erhielt dafür knapp zwei Jahre Haft. Die sitzt er momentan ab. Aus der Zelle vorgeführt, ging es nun vor der 3. Strafkammer um eine weitere Serie von Delikten, für die es vom Amtsgericht Schwandorf 15 Monate ohne Bewährung gegeben hatte.

Lange Liste an Delikten

Richter Dreßler brauchte einige Zeit, bis alles verlesen war, was in diesem Berufungsprozess zur Debatte stand. Es ging um Beleidigungen der vom Angeklagten getrennt lebenden Ehefrau, um das Eintreten einer Tür und um die tätliche Auseinandersetzung mit einem Freund der Schwester des 33-Jährigen. Das Opfer bekam dabei einen Wasserkocher an den Kopf geworfen.

Draußen vor dem Sitzungssaal warteten zahlreiche Zeugen. Sie konnten ohne Vernehmung wieder gehen, da sich unerwartet eine Wende in dem Verfahren abzeichnete. Denn der 33-Jährige gab plötzlich über seinen Anwalt Hans-Georg Spießl zu, dass er ein Alkoholproblem habe und beschränkte seine Berufung auf das Strafmaß. Damit bedurften die angeklagten Vorkommnisse keiner Erörterung mehr, musste nur noch über die Höhe der Ahndung geredet werden.

"Hat er jetzt wirklich die Motivation zu einer Therapie?", fragte sich Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel und erzählte den Richtern: "Bei meiner Untersuchung stritt er ein Alkoholproblem noch ab." Gleichwohl kam Miedel in seinem Gutachten nicht umhin, dem Gericht eine längerfristige Entzugsmaßnahme zu empfehlen. Denn fest stand: Der 33-Jährige hatte bei seinen Übergriffen erheblich getrunken.

Entzug nach der Haft

Die 3. Strafkammer bestätigte das Ersturteil von 15 Monaten und ordnete gleichzeitig eine langfristige Therapie an. Sie folgte damit dem Antrag von Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier. Die Entscheidung bedeutet: Zunächst muss der 33-Jährige seine aus früheren Urteilen resultierenden 22 Monate absitzen. Dann geht er in den Entzug. Erweist sich diese Maßnahme als erfolglos, müsste er auch noch die 15 Monate hinter Gittern zubringen.
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