Im Schwurgerichtsprozess gegen einen 30-Jährigen, dem vorgeworfen wird, im Mai 2014 in Traßlberg den CSU-Stadtrat und OTV-Moderator Thomas Bärthlein (51) malträtiert zu haben, steht das Urteil bevor. Der Peiniger des 51-Jährigen soll an Schizophrenie leiden.
"Dachte, ein Tier wird getreten"

Bei dem Prozess gegen den 30-Jährigen handelt es sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren, das die Staatsanwaltschaft mit dem Ziel der Einweisung betreibt. Bild: Steinbacher
(hwo) Am Mittwoch müssen nur noch zwei Zeugen und zwei Gutachter vernommen werden. Am selben Tag könnte dann eine Entscheidung der drei Berufsrichter Roswitha Stöber, Jacqueline Sachse, Christian Frey und der beiden Schöffen fallen.

Bisher wurden nahezu zwei Dutzend Personen gehört, die das Geschehen neben der von Amberg nach Sulzbach-Rosenberg führenden Staatsstraße beobachteten oder eintrafen, als sich der 30-Jährige bereits auf der Flucht befand. Unter ihnen war auch eine junge Polizeibeamtin, die während ihrer Freizeit rein zufällig zum Tatzeitpunkt mit dem Auto vorbeikam und angesichts der massiv gegen Thomas Bärthlein ausgeführten Fußtritte und Faustschläge intensiv zu hupen begann. Daraufhin, so sagte die Frau den Richtern, habe der Täter von seinem Opfer abgelassen und sei davongegangen.

Wie von Sinnen

Noch eine weitere Frau kam mit ihrem Auto an den Tatort. "Ich dachte erst, da wird auf ein Tier eingetreten", berichtete sie und fügte hinzu: "Erst kurz danach habe ich gesehen, dass es sich um einen Menschen handelte." Was hatte sie an Eindrücken sammeln können? "Der da trat und schlug, war voller Wut, voller Aggression." Neben Thomas Bärthlein lag sein Fahrrad. Es war erheblich beschädigt.

Auf die Meinung der am Mittwoch zu hörenden Sachverständigen wird es maßgeblich ankommen. Der Erlanger Rechtsmediziner Professor Dr. Stefan Seidl muss sich mit den Verletzungen befassen, die Thomas Bärthlein bei der Attacke zugefügt wurden. Dabei soll Seidl auch Stellung nehmen zur Gefährlichkeit der Hiebe und Tritte. Von noch größerer Bedeutung ist das Gutachten der Nürnberger Psychiaterin Dr. Anna Wunder-Lippert. Sie soll Angaben zur geistigen Befindlichkeit des 30-Jährigen machen.

Anwalt für Unterbringung

Die Fachärztin hat sich vorab öffentlich nicht geäußert, sie wird das erst gegenüber den Richtern tun. Allerdings gibt es dazu eine Stellungnahme von Michael Haizmann, dem Verteidiger des Beschuldigten. In einem nach dem ersten Verhandlungstag ausgestrahlten Bericht des lokalen Fernsehsenders OTV, bei dem auch Bärthlein arbeitet, sagte Haizmann, sein Mandant leide an einer Schizophrenie und bedürfe wohl der Unterbringung. In der Forensik müsse dann in Einjahresabständen fachärztlich geprüft werden, ob eine Entlassung möglich sei oder ob der Patient weiterhin zu bleiben habe.

Bei dem Prozess handelt es sich um ein sogenanntes Sicherungsverfahren, das die Staatsanwaltschaft mit dem Ziel der Einweisung betreibt. Eine gleichgeartete Vorgehensweise hatte es gegeben, als vor elf Jahren ein junger Mann aus Sulzbach-Rosenberg im Zustand schwerer Schizophrenie nach Amberg fuhr, in einem Waffengeschäft ein Samurai-Schwert kaufte und damit, als er es in Händen hielt, den Verkäufer tötete. Der Täter, dessen Vorgehensweise rechtlich als Totschlags-Verbrechen eingestuft wurde, kam in die Psychiatrie. Das geschah unter dem Aspekt, dass er wegen seiner Erkrankung strafrechtlich nicht verantwortlich gemacht werden konnte.
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