Im Stadtarchiv laufen die Planungen für den Umzug von 2000 Metern Akten
Eingepflegt und abgelegt

Laura-Marie Kapperer, Maximilian Heibutzki und Jörg Fischer (von links) lachen über so manche Perlen, die sie durch Zufall beim Katalogisieren der Akten aus der Geschichte der Stadt entdeckt haben.

Ein Termin steht noch nicht fest. Aber Planung ist bei einem Umzug von 2000 laufenden Metern an Akten alles: Schon jetzt wird im Stadtarchiv geordnet und eingepflegt, was das Zeug hält - eine Bestandsaufnahme bei 19 Grad Celsius.

Oben ist es deutlich kühler. Exakt 19 Grad Celsius. Das mögen die alten Blätter. Ins Auge sticht ein aufdringliches Orange. Hier, im ersten Stock des Stadtarchivs, schlägt das Herz der Behörde. Da liegt Geschichte zum Anfassen: In Paketen, Akten, Mappen, Bänden oder Bildern lässt sich die Historie der Vils-Vorfahren nachvollziehen.

Das alles soll bald raus. Wie berichtet, zieht das Stadtarchiv in den noch zu renovierenden Schießl-Stadl um. Zwar steht dafür noch kein Termin, aber gearbeitet wird trotzdem schon am reibungslosen Umzug.

Das Zauberwort heißt "Bestandstektonik"

2000 Regalmeter Akten gilt es zu transferieren - aber nicht nur physisch. Parallel dazu werden sie auch in eine Datenbank eingepflegt, um Nutzern die Möglichkeit zu geben, gewünschte Unterlagen zu finden. Stadtarchivar Jörg Fischer erklärt: "Es ist eine Riesenaufgabe, Bestände, die mit altmodischen Mitteln verzeichnet waren, ins 21. Jahrhundert zu holen." Das Zauberwort heißt "Bestandstektonik".

Sie gibt dem gesamten Archiv die Struktur, die es braucht, um geordnet von A nach B zu kommen. Ein Farbsystem erleichtere das Katalogisieren. 13 500 Einträge weist der Aktenbestand in der Datenbank bereits auf. "Das sind etwa 30 Prozent vom gesamten Umfang", sagt Fischer. Unterstützt wird das Stadtarchiv bei dieser Aufgabe von Maximilian Heibutzki, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, sowie Auszubildender Laura-Marie Kapperer.

Ihnen obliegt die Aufgabe, jeden einzelnen Band herauszunehmen, den Titel zu lesen, in die Datenbank aufzunehmen, ins Farbleitsystem einzuordnen und in neue, alterungsbeständige Kisten zu verpacken. Diese Schachteln seien so widerstandsfähig, "die werden uns alle überleben", meint Fischer.

Kriminalistische Energie

Die Arbeit ist im Einzelfall nicht so staubtrocken wie es sich vielleicht anhört. Zwischen den Aufzeichnungen zu den Einnahmen und Ausgaben der Stadt Amberg seit dem 16. Jahrhundert entwickelt Jörg Fischer fast kriminalistische Energie: "Wenn man der Spur des Geldes folgt, findet man den Täter."

Auch bei Laura-Marie Kapperer tauchten nach öden Vereinsprotokollen regelrechte Perlen auf: "Ich hatte einen Akt über Hinrichtungen. Da stand drin, wie die Polizei zu arbeiten hat, wo sie sich genau hinstellen muss und dass, trotz des schlechten Wetters, mit einer Menge Zuschauer zu rechnen ist". Die Hinrichtung fand 1856 statt, dazu stöberte die 22-jährige Auszubildende den passenden Zeitungsbericht - ebenfalls im Stadtarchiv - auf.

"Daraus machten wir gleich eine Leseaufgabe", sagt Fischer, der gar nicht oft genug betonen kann wie froh er sei, Heibutzki und Kapperer im Stadtarchiv-Team zu wissen. "Allein könnten wir das nicht stemmen." Das Projekt werde mindestens drei Jahre dauern.
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