Immer mehr Arbeit in
Wenn der Job zur Baustelle wird

immer kürzerer Zeit mit immer weniger Personal. Ohne Frage nehmen die Belastungen im Beruf stetig zu. Das Schlagwort Burnout ist in aller Munde. Doch was tun, wenn der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht und der Job in Gefahr ist?

(mia) Krankheitsbedingte Ausfälle im Berufsleben können im schlimmsten Fall zur Auflösung eines Arbeitsvertrages führen. Aber soweit muss es nicht kommen. Bei rechtzeitigem Eingreifen und passgenauer Unterstützung kann der Negativspirale erfolgreich entgegengewirkt werden. Katharina Mainka und Martin Golinski wissen, wie das geht.

Für den Integrationsfachdienst Oberpfalz (IFD) und das Sozialpsychiatrische Zentrum der Diakonie Amberg (SPZ) kümmern sie sich um Arbeitnehmer, deren Gesundheit ihr Handicap im Beruf ist. Bei einer Telefonaktion der Amberger Zeitung gaben sie den Lesern viele Tipps.

Versand statt Baustelle

Ein Beispiel von vielen: Ein Mann Mitte 50, seit vielen Jahrzehnten im Handwerk beschäftigt. Dann ein Bandscheibenvorfall - und nichts geht mehr mit dem Job auf der Baustelle. Das stellt auch die Rentenversicherung fest. Damit der Mann seinen Arbeitsplatz nicht verliert, gilt es, eine Lösung zu finden. Durch die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stellen wie Integrationsamt (ZBFS), Agentur für Arbeit und den Rehabilitationsträgern können mit dem Arbeitgeber individuelle und langfristige Lösungen erarbeitet werden. Der erwähnte Mann findet beispielsweise eine neue Einsatzmöglichkeit im Versand oder als Lkw-Fahrer.

In einem anderen Fall fällt ein Mann nach 47 Jahren im Beruf aufgrund einer chronischen Erkrankung immer wieder aus. Ihm empfiehlt Katharina Mainka eine Beratung durch Rentenversicherung, Arbeitsgericht oder Agentur für Arbeit - möglicherweise ergibt sich für den Mann eine Chance, schon in Rente zu gehen.

Grundsätzlich rät Katharina Mainka Arbeitnehmern, auch bei längeren Krankheitsphasen Kontakt zum Arbeitgeber zu halten und ihn hin und wieder auf dem Laufenden zu halten. "Machen Sie klar: Ich bin noch nicht gesund und brauche Zeit, möchte aber gerne wiederkommen, wenn alles in Ordnung ist."

Auch Schüler betroffen

Mehrere Jahrzehnte im Beruf: So weit haben es andere Klienten des Integrationsfachdienstes noch lange nicht gebracht. Denn für manche Schüler ist es alles andere als einfach, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden, weiß Martin Golinski - gerade, wenn eine Behinderung vorliegt. In diesem Bereich läuft in Amberg eine Kooperation zwischen dem Integrationsfachdienst und dem Heilpädagogischen Zentrum der Lebenshilfe. Die jungen Leute sollen hier nach Möglichkeit fit gemacht werden für den Arbeitsmarkt.

Finanzieller Ausgleich

Drei Jahre lang können die Schüler bei verschiedenen Praktikumsstellen und in sogenannter unterstützter Beschäftigung austesten, welche Arbeit für sie infrage kommt. Und potenzielle Arbeitgeber haben die Chance, sich von der Leistungsfähigkeit und Motivation der jungen Leute zu überzeugen. Für die Unternehmen besteht außerdem die Möglichkeit, einen finanziellen Ausgleich für die "Minderleistung" zu erhalten. Aktuell engagiert sich im Projekt beispielsweise die Gemeinde Ursensollen mit der Beschäftigung eines jungen Mannes beim Bauhof und in der Gärtnerei. Für die Beratung zu den Förder- und Hilfsmöglichkeiten bezieht der Integrationsfachdienst in Amberg im Januar seine neuen Räumlichkeiten in der Salzgasse 1.
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