Immer nur steil aufwärts

Heute ein Exponat für das Museum, damals in jeder Gaststätte zu finden, die etwas auf sich hielt, fasziniert die Jukebox immer noch.

In den 50er Jahren hatten die Menschen nicht viel und arbeiteten stetig, damit es mehr wurde. Das nennt man heute Wirtschaftswunder. Das einzige Wunder übrigens, das ins Museum gewandert ist.

"Wiederaufbau und Wirtschaftswunder - die 50er Jahre." Unter diesem Motto steht die Wanderausstellung im Stadtmuseum, die am Donnerstagabend zum 70. Jahrestag des Kriegsendes ihren gebührenden Auftakt erfuhr. Sie ist noch bis zum 25. Oktober im Stadtmuseum zu bestaunen.

Am Donnerstag aber versammelten sich die Gäste mit entsprechender musikalischer Umrahmung im ehemaligen Amberg Filmpalast, dem Ringtheater - Baujahr 1953. Dank Eigentümer Andreas Wörz war es den Veranstaltern, Rednern, Musikern und dem Publikum vergönnt, das Ereignis in einem Ambiente zu erleben, das authentisch in diese Zeit versetzen kann. In seiner Eröffnung erläuterte Oberbürgermeister Michael Cerny das bewusst gewählte Datum - den 23. April - und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Besetzung Ambergs durch die Amerikaner. In einem Gespräch mit einem älteren Mitbürger habe er übrigens einen interessanten Denkanstoß bekommen, so erzählte er: "Eigentlich tut mir die heutige Jugend leid. Wir hatten im Vergleich zwar nichts, aber wir haben unser Leben lang gearbeitet und irgendwie ging es immer bergauf. Im Vergleich dazu geht es heute bestenfalls geradeaus."

Umwelt nimmt Schaden

Dr. Peter Wolf vom Staatsministerium für Bildung und Kultur war anschließend zuständig dafür, den Zuhörern in kurzer und prägnanter Form einen Geschichtsablauf zu geben, damit sie sich in die 50er Jahre hineinversetzen konnten. Die Ausstellung, die 2009 in Würzburg über 365 000 Besucher begeistert hat, wandert seither in verkleinerter Version durch die bayerischen Regierungsbezirke.

Durch das Engagement der Museumsleiterin Judith von Rauchbauer und vieler Einheimischer, die Zeitdokumente und Exponate zur Verfügung stellten, bekommt diese Kul-Tour laut Dr. Wolf beinahe so große Ausmaße wie zu ihrem Beginn. Bei aller Begeisterung für die Jahre des permanenten Aufschwungs für die Bundesrepublik dürfe nicht vergessen werden, wie in dieser Aufbauzeit die Umweltverschmutzung ihren Anfang genommen habe, und auch die Erfindung der Atomenergie mit Begeisterung gefeiert worden sei. So wie sich die Menschen nach den schweren Kriegsjahren langsam erholt und die Einführung verschiedener Kunststoffe begrüßt hätten - ob nun in Form von Nylonstrümpfen oder im Autokarosseriebau, habe die die Natur unter der Entwicklung gelitten. Ein Baden in Flüssen mit ihren Schaumkronen sei nicht mehr möglich gewesen.

Bowle darf nicht fehlen

Nicht zuletzt durch den Einfluss der Amerikaner hielt zu jener Zeit eine neue Musikrichtung ihren Einzug. Thiemo Lacher und Michael Deiml - die beiden Elvisse - präsentierten den Rock'n'Roll nur mit Schlagzeug und Gitarre und schufen so überzeugend ein Fünfziger-Jahre-Feeling. Nach dem Wechsel ins Stadtmuseum durften sich die Gäste dann ganz zeitgemäß mit Bowle, gefüllten Eiern, Käsespießchen und vielem mehr stärken.
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